Und gleich zur zweiten Wohrheit: In der Behindertenpolitik braucht es einen Paradigmenwechsel, weg von Fürsorge, Almosen und Mitleid. Hin zu Gleichstellung, selbstbestimmtem Leben und Inklusion.

Wissen Sie, wie ein Paradigma entsteht? Ich erkläre es Ihnen: Wissenschaftler brachten fünf Affen in einem Käfig zusammen, befestigten in der Mitte eine Leiter und legten oben drauf Bananen. Jedes Mal, wenn ein Affe auf die Leiter kletterte, spritzten die Wissenschaftler die übrigen Affen mit kaltem Wasser nass. Nach einiger Zeit begannen die Affen, jedes Mal, wenn einer von ihnen auf die Leiter stieg, diesen zu verprügeln. Es dauerte nicht lange, da brauchte es keine kalte Dusche mehr, kein Affe wagte es mehr, auf die Leiter zu klettern, ganz gleich, wie groß die Versuchung auch sein mochte. Dann tauschten die Wissenschaftler einen der Affen aus. Natürlich entdeckte der neue Affe gleich die Bananen und kletterte auf die Leiter. Nachdem er einige Male verprügelt worden war, hatte das neue Mitglied gelernt, nicht auf die Leiter zu klettern, obwohl er nicht wusste, warum. Nach und nach wurden alle fünf Affen ausgetauscht und mit jedem geschah das Gleiche.

Am Ende gab es in diesem Käfig fünf Affen, die immer weiter jeden verprügelten, der versuchte, auf die Leiter zu klettern. Oben auf der Leiter vergammelten die Bananen. Obwohl keiner von ihnen je nass gespritzt worden war. Wenn es möglich wäre, die Affen zu fragen, warum sie denn jeden verprügeln, der versucht, auf die Leiter zu klettern, ich wette, die Antwort wäre so etwas wie „Keine Ahnung. Das war schon immer so, das ist halt so.“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Mir schon.

Ich frage zum Beispiel: Warum gehen behinderte Kinder in die Sonderschule?
Ich bekomme die Antwort: Das war schon immer so.

Ich frage: Warum gibt es keine behinderten Lehrer und Richter?
Antwort: Das ist halt so.

Ich will wissen: Warum dürfen behinderte Kinder bis zur Geburt abgetrieben werden?
Antwort: Das war schon immer so.

Zu Ihrer Information: Tatsächlich gibt es die sogenannte Eugenische Indikation. Bei Verdacht auf eine Behinderung darf ein Fetus über die Fristenregelung hinaus bis knapp vor die Geburt abgetrieben werden. Das passiert laut dem Gynäkologen Fiala bis zu 300 Mal pro Jahr in Österreich. Ich sprach darauf die SPÖ-Gesundheitssprecherin an, sie meinte: „Darüber rede ich nicht.“

Ich hab’s verstanden, das ist halt so.