Die dritte Wohrheit: Von Barrierefreiheit wird viel geredet. Dafür wird aber nach wie vor zu wenig getan. Ich darf Ihnen dazu eine kleine Geschichte erzählen. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch und wenn ich in der U-Bahn auf den nächsten barrierefreien Zug warte, läuft mir die Zeit davon. Neulich bei der U3 kamen acht alte U-Bahn-Züge hintereinander, wo ich nicht einsteigen konnte. Bei der Achten riss mir der Geduldsfaden: „Da müssen wir hinein!“ Die Assistentin war schockiert: „Aber da ist ja eine hohe Stufe und ein großer Spalt, wie sollen wir da drüberkommen?“ Ich sagte: „Gas geben und drüberfliegen!“ Die Assistentin gibt Gas und wir fahren mit vollem Karacho auf die Tür zu, die Vorderräder springen über die Stufe, mich wirft der Ruck fast aus dem Rollstuhl und die Hinterräder bleiben im Spalt stecken. Die Assistentin ist entsetzt, ich lächle: „Rien ne va plus, nichts geht mehr.“ Da steigt der Zugführer aus und sagt: „Sind Sie lebensmüde?!“ Ich sage: „Danke, sehr freundlich, aber ich brauch keine Sterbehilfe, sondern barrierefreie U-Bahn-Züge!“ Manche sagen, wenn man im Rollstuhl sitzt, ist das Leben zu Ende. Ich sage: Das Gegenteil ist der Fall, das Leben ist ein Abenteuer! Aber ich würde gerne barrierefrei weiter- und überleben.