Die fünfte Wohrheit: Kinder mit pflegebedürftigen Eltern müssen wieder Kinder sein können – und junge Menschen mit Behinderung haben nichts im Altersheim verloren. Die meisten von ihnen wissen es aus eigener Erfahrung. Kinder sind da, um die Eltern zu fordern und ein wenig zu nerven. Ich kenne das selbst nur zu gut. In der Nacht müssen die Windeln gewechselt werden, beim Anziehen braucht es viel Überredungskunst und Geschick. Beim Baden wird nicht nur das Bad überflutet, sondern auch gerettet, wenn das Kind ausrutscht. Aber über 42.000 Kinder, im Durchschnittsalter von 12 Jahren, leben in Österreich in einer verkehrten Welt. Es ist unerträglich, wenn Kinder ihre Eltern duschen und baden, ihnen aufs Klo helfen, sie anziehen, kochen oder Essen geben müssen. Hier überschreiten wir die Verantwortungsmöglichkeit von Kindern. Darum ist die Politik gefordert, die Familienförderung auszubauen! Pflegende Menschen müssen durch diplomierte Krankenschwestern, Pfleger, Tagesstrukturen und persönliche Assistenz unterstützt werden. Kinder müssen Kinder bleiben können! Ein anderes Beispiel: Michaela bekommt zum Mittagessen Brei, obwohl ihre Zähne mit 32 noch vollkommen in Ordnung sind. Den ganzen Tag läuft der Fernseher, obwohl sie von einem Popkonzert träumt. Um 22 Uhr heißt es: Licht aus. Nein, Michaela hat nichts verbrochen, sie empfindet aber ihre Wohnumgebung als Gefängnis. Es ist ein Altersheim. Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich, was eine 32-Jährige im Altersheim zu suchen hat? Ich sage es Ihnen: Nichts! Nur weil jemand jung ist und einen Pflegebedarf hat, kann man ihm oder ihr nicht die Lebensperspektiven rauben. Michaela ist kein Einzelfall. Es gibt in Österreich schätzungsweise rund 1.000 junge Menschen, die aufgrund mangelnder Pflegeeinrichtungen in Altersheimen leben müssen. Auch wenn wir die Kirche im Dorf lassen wollen, brauchen wir nicht mehr solche Hundszustände. Lieber Rudi, setz di mitn Michi, Erwin, Hansi, Franzl, Gerri, Gabi, Seppi, Günther und Markus zom und, bitte, tuats wos Gscheits !!!