So eine Kollege auf vier Rädern, wie ich es bin, bleibt vielen doch ein Rätsel. Zwar ist man vom Parlamentsalltag einiges gewohnt, etwa die langen Pausen beim Sprechen, wenn das Beatmungsgerät gerade nicht so will, wie der Sprecher selbst oder wenn die Assistentin den Schleim aus der Atemkanüle absaugt. Aber wie der Alltag eines behinderten Kollegen aussieht, lernt man auf einer gemeinsamen Reise erst wirklich kennen.

 

Der ÖAAB macht alle zwei Jahre eine Studienreise. Heuer ging es nach Südtirol. Ich wurde gefragt, ob ich auch dabei sein möchte, was mich sehr freute. „Wenn es keine Umstände bereitet, fahre ich gerne mit“, sagte ich zu. Mir war fast unangenehm, was die MitarbeiterInnen des ÖAAB alles auf den Kopf stellen: ein rollstuhlgerechtes Hotel wurde gesucht, eine parlamentarische Mitarbeiterin aus Südtirol fuhr alle Orte ab und teste sie auf Barrierefreiheit und der Höhepunkt war ein Reisebus mit Hublift. Mich freute das wahnsinnig!

 

Meine abgeordneten KollegInnen bestaunten mit mir meine erste Liftfahrt in den Bus. Fast hätten sie applaudiert :). Am Berg Isel gab es plötzlich am Weg zum Restaurant Stufen. Für den Rollstuhl gab es einen Umweg. Alle wollten mit mir mitgehen, aber ich lehnte dankend ab. Zum Glück für sie, denn der Umweg war fast einen Kilometer lang und steil bergauf. Nachdem Essen im Restaurant SKY, gab es einen Stau beim Lift nach unten. Alle sahen mich verlegen an und meinten, sie könnten ja zu Fuß gehen. Ich widersprach:„Nein, wir fahren gemeinsam. Oder ich kann auch die Schanze nehmen, da bin ich vor euch unten.“

 

Ich konnte wirklich alles mitmachen, nur beim geselligen Törggelen fehlte mir die Stimme beim Mitsingen. Auf dem Heimweg war es schon finster, als wir zum Bus heimtörgelten, schaltete ich am Elektrorollstuhl mein Fernlicht ein. August Wöginger, Obmann des ÖAAB, rief hocherfreut: “Super! Franz-Joseph leuchte uns den Weg!“.

 

Nach drei Tagen machte sich in meinem Gesicht schon lange Stoppeln bemerkbar, ich sagte zu meiner Assistentin, Magdalena, die drei Tage lang 24 Stunden an meiner Seite arbeitete: “Wir müssen jetzt noch rasieren! So kann ich nicht nach Hause kommen!“ Tapfer holte Magdalena den Rasierapparat und begann mich spät abends hübsch zu machen. Als wir bei der Hälfte der Rasur waren, war der Akku leer und ich hatte kein Stromkabel eingepackt. Einen Kollegen fragen? Spät in der Nacht? Das wäre dann doch eine Herausforderung der Kameradschaftlichkeit gewesen. Wir riefen stattdessen den Portier und er brachte uns zum Nassrasieren eine Klinge und Rasierschaum aus der Tube. Dieser Spaß war ein krönender Abschluss!

Leave a Comment