Vor zirka 10 Jahren habe ich von dieser Idee das erste Mal gelesen. Das Konzept ist mir völlig absurd und irreal vorgekommen. Zumal ich im Unterrichtsministerium nur von Aktenbergen, Briefen, Konzepten und Merkzettel umgeben war. Ich lebte mit Papier und fühlte mich auch wohl darin. Ein Dokument am Computer durch zu lesen ist einfach etwas Anderes als ein gedrucktes Papier zu studieren.

Heute sehe ich das anders. Vielleicht auch beschleunigt durch meine Behinderung gibt es in meinem persönlichen Büroalltag kaum noch Papiere. Briefe werden per Mail beantwortet, Konzeptpapiere und Gesetzesentwürfe lasse ich mir von der Assistentin oder dem Programm am Computer vorlesen. Ich schreibe nur mehr am Computer, verschicke die Papiere per Mail und drucke kaum mehr etwas aus. Wesentlich rationeller und ordentlicher, aber auch unromantischer. Aber darauf kommt es wohl nicht mehr an. Der Arbeitsalltag wurde jedenfalls wesentlich beschleunigt. Der Nachteil davon ist, dass die Erwartungshaltungen ganz anders geworden sind. Während man früher mit der Beantwortung eines Briefes an einen Politiker zumindest eine Woche gewartet hat, bekommt man heute ein böses Mail, dass man das Mail von 10:00 um 11:00 noch nicht beantwortet hat. Ich gebe mir Mühe und muss jetzt meine Mails weiterbeantworten…

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