Ich komme ja aus Kärnten und liebe eine Brettljause mit Speck. Hin und wider überfällt mich der Speckhunger zu ungünstigen Assistenzzeiten. Katharina ist eine vielseitig begabte Medizinstudentin. Als geborene und waschechte Wienerin kennt sie sich mit der Kultur der Brettljause nicht so gut aus. Noch dazu ist sie Vegetarierin.
Ich bestelle also bei ihr eine kärntner Speckjause und bekomme den Speck gleich einmal auf einen Teller serviert. Ein grober Kulturverstoß, der von Katharina korrigiert wird: Sie serviert den Speck ein zweites Mal auf einem Holzbrett.
Danach beginnt sie das Speckstück geräuschvoll zu zersäbeln. „Das geht nicht mit einem Messer mit Wellenschliff“, korrigiere ich sie. Gut, sie geht in die Küche und holt ein scharfes Speckmesser.
Ich sehe ja schlecht und glaubte, dass das erste geschnittene Speckstück jetzt in Ordnung sein müsste. Allerdings war es noch immer viel zu dick, hatte am Ende ein ungenießesbares Schwartenstück und ich bekam es mit einer Gabel in den Mund gesteckt. Gleich drei Kulturverstöße!
Natürlich muss man das Schwartenstück zunächst überhaupt entfernen. Das ließ sich Katharina noch einreden. Allerdings blieb es bei den Essensinstrumenten Gabel und Messer. Katharina verwendete diese wie ein medizinisches Besteck zum Zerlegen von Fleischteilen. Wir aßen das Speckstück nicht, wir sezierten es. Dabei tauchten interessante Fragen auf: „Willst Du das Bindegewebe auch essen?“ So habe ich Speck noch nie betrachtet. Bisher habe ich Speck einfach nur gegessen und genossen. Nach dieser Speckjause sehe ich den Speck ein wenig anders. Aber ein echter Kärntner lässt sich den Appetit nicht verderben!

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