Der Fahrtendienst und das Leben: Heute Morgen fuhr ich mit dem Fahrtendienst ins Parlament. Eine ’strange‘ Fahrt. Der Fahrer telefonierte und telefonierte und telefonierte, zunächst mit einem Freund: Seine Frau habe er in flagranti erwischt. Heute Morgen brachte er die Scheidung ein. Dann ein Telefonat mit einem Autohändler: Er wolle sein Auto wieder und das Familienauto zum Eintausch zurückgeben. Dann Telefonate mit der Versicherung und dem Gericht. In seiner Stimme lag Entschlossenheit, welche die Lebensenttäuschung überdeckte. Ich und meine Assistentin saßen stumm im Autobus und schluckten über diesen unerwarteten Lebenseinblick. Endlich kam das Parlament in Sicht. Aussteigen und tief durchatmen. Meine Assistentin meinte: Seit es Handys gibt, bekommt man seltsame Lebenseinblicke, das Privatleben wird zu einem öffentlichen Ereignis.

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