11.04. Ostersonntag: Wir erzählten Katharina die letzten Wochen vom Osterhasen, der um diese Zeit herumhoppelt und die gefärbten Eier versteckt. Was wir ihr nicht erzählten, war die Tatsache, dass es auch Schokolade-Ostereier gibt –natürlich ganz zu schweigen von den Schoko-Osterhasen. Stattdessen lenkten wir pädagogisch geschickt ihre Aufmerksamkeit auf die Hühnereier, die Mama mit Katharina in der Küche färbte. Katharina war fasziniert von der Herumkleckerei. Überhaupt waren die Mal- und Zeichenfortschritte von unserer Tochter beachtlich, sie versteht es nunmehr, mit einer Farbe eine bestimmte Fläche auszumalen und dabei den Rand zu beachten. Beim Eiermalen hatte man den Eindruck, dass der Tisch die eigentliche Malfläche war, denn während dieser schon ganz rot mit Wasserfarbe ausgemalt war, strahlte das Ei noch im natürlichen Weiß.

Heute am Ostersonntag ging es zunächst in die Kirche und danach in den Garten meiner Eltern. Wir erzählten Katharina, dass sicherlich schon der Osterhase hier gewesen sei und wahrscheinlich ein Osternest versteckt habe. Katharina wusste mit Osternest nicht viel anzufangen, vielmehr hielt sie nach einem Hasen Ausschau. In Erinnerung war ihr noch vom letzten Sommer der durch den Garten hoppelnde Hase, der von einem Gehege ausgebüchst war. Über dessen Schicksal wissen wir nichts Näheres, außer dass er wieder eingefangen worden war. Vielleicht hockt er gemütlich im Hasenstall, während Katharina vergeblich nach ihm Ausschau hält. Vielleicht war ihm aber bereits ein anderes Schicksal bestimmt gewesen und er fror bereits in einem Tiefkühlfach. Doch Katharina ließen wir von diesem Gedanken unbehelligt.

Wenn Katharina etwas suchen soll, ist das so eine Sache. Schon öfters spielten wir Verstecken. Bei den ersten Versuchen sagte Judit zu ihr, dass sie wegschauen und etwas warten müsse, damit sich Judit verstecken kann. Katharina rief aber lachend „Verstecken, verstecken!“ und lief Judit nach. Was zwar nicht der Intension des Spiele-Erfinders entspricht, aber auch nicht ganz unklug scheint, zumal Katharina Judit immer sofort gefunden hatte. In der Zwischenzeit kann Katharina einschauen, und – man sage und staune – sogar bis 10 zählen. Dieses Wissen hat sie ihrer hartnäckigen Bronchitis zu verdanken, der zufolge wir mit ihr inhalieren müssen. Nur mit viel Überredungskraft gelingt es uns, dass sie 10 Atemzüge macht, die wir immer laut zählen. Um die Bronchitis zu heilen, verzählte sich Judit ab und zu, damit Katharina auf mehr Atemzüge kam, Katharina begann jedoch selbst mitzuzählen und damit hatte sie wieder die volle Kontrolle. Dass sie bereits mit etwas über zwei Jahren zählen kann, verwunderte uns gar sehr. Was eine ungewollte Therapie so alles bewirken kann…

Jedenfalls zählt Katharina beim Versteckspiel und rennt dann erst los, um Judit zu suchen. Die Suche gestaltet sich folgendermaßen: Katharina läuft in den Raum, blickt sich um, sieht Mama nicht und kommt wieder weinend heraus, „Wo ist die Mama?“ „Du musst sie suchen, sie hat sich versteckt“, ermuntern wir sie, mit der Suche fortzufahren. Wieder läuft Katharina in den Raum und weint dann bitterlich, „Wo ist sie? Wo ist die Mama? Die Mama ist weg!“ Judit ruft dann: „Da bin ich! Katharina, such mich!“ Aber Katharina hilft das nicht weiter. Es braucht dann beispielsweise Oma, die mit ihr auf die Suche nach Judit geht.

Dieser Exkurs war notwendig, um zu verstehen, wie schwierig sich die Suche nach den Ostereiern gestaltete. Opa Franz musste mit Katharina auf die Suche gehen und sagte zur Katharina, die neugierig mit ihm mittrottete, „Schau Mal hinter den Baum, unter das Blatt, hinter den Busch…“. Zwischendurch blickte er fragend Judit an, die offenbar mehr wusste. Katharina fand ein Osternest nach dem anderen. Begeistert war sie nicht so sehr von den bunten Eiern als von den Schoko-Ostereiern. Bald war ihr ganzes Gesicht mit Schokolade vollgeschmiert. Sie genoss Ostern in vollen Zügen. Nur schwer gelang es uns, ihr die Schoko-Beute zu entwenden. Schließlich machte sie jedoch übermüdet ihr Mittagsschläfchen. Als sie aufwachte, war die Schokolade verschwunden. Katharina wollte darauf unbedingt hinaus und neue Osternester zu suchen. Sie fand zwar nichts mehr, plötzlich waren ihre Hände jedoch voll süßer Schokolade. Wir wunderten uns sehr über diese Zauberei, entdeckten dann aber das Geheimnis: Katharina hatte ihre Tasche vom Mantel voll mit Osterleckereien bepackt.

 

15.5. Katharina, Papa und Mama schlafen meist sehr tief und selig. Katharina schläft, was wir nie erwartete hätten, seit neuestem in ihrem eigenen Gitterbett. Wir hatten uns schon überlegt, wie schwierig es wohl werden würde, sie aus unserem Bett zu bekommen. Aber eines Tages sagte sie selbst: „Nina, Gitterbett schlafen“. So gegen fünf, sechs Uhr fliegt zuerst ein Schnuller, gefolgt von zwei drei weiteren Schnullern vom Gitterbett in unser Doppelbett. Dann macht es bumm, das ist das Fläschchen. Ab und zu gefolgt von einem „Au!“, wenn Katharina Judits Kopf getroffen hat. Sanfter landet dann mit einem Plumps die Puppe zwischen uns. Zuletzt kommt der Auftritt beziehungsweise der Fall von Katharina „Zudecken, zudecken!“, schreit sie, bis Mama aus dem Gitterbett die Decke herüberholt. Dann folgt noch die Suche nach den drei Schnullern und Ruhe kehrt im Schlafzimmer der Familie Huainigg ein.

In der Früh wacht Katharina als Erste auf. Mit den Worten „Orangensaft, Orangensaft!“ ersetzt sie das Weckerklingeln. Ähnlich unserem ehemaligen schrill piepsenden Wecker wiederholt Katharina hartnäckig jede Minute ihren morgendlichen Weckruf. Wenn sie erstmal eine neue Flasche mit Saft hat, liegt sie genüsslich zwischen uns und saugt schlürfend an ihrem Fläschchen. Sie steht immer mit Judit auf, ich darf noch liegen bleiben, denn die Assistentin kommt erst gegen acht Uhr. Katharina kommt ans Bett, nickt und sagt: „Papa schlafen“. Dann fragt sie: „Licht aus?“. Papa nickt müde, Katharina schaltet das Licht aus und schließt die Türe hinter sich. Was für eine brave Tochter! Ab und zu kommt Katharina auch wieder, mit einem Bilderbuch in der Hand klettert sie ins Bett und liest mir eine Geschichte vor. Die Füße streckt sie dabei unter meine Bettdecke.

So oft es geht, lege ich mich mittags eine Stunde auf die Couch. Katharina verfolgt dies mit großem Interesse. Seit neuestem holt sie sich selbst einen kleinen Sessel und klettert mittags auf die leere Couch. Sie deckt ihre Füße zu und legt sich gemütlich auf den Polster. Tja, da weiß ich nicht recht, ob ich mich freuen soll, da Katharina mich imitiert. Oder ob sie mir nicht als Konkurrentin den Schlafplatz wegschnappt. Gemeinsam mit mir auf der Couch Siesta halten, will sie aber nicht. Da nimmt sie leider Reißaus.

Judit sagt, dass die Aufteilung der erzieherischen Aufgaben unfair ist. Sie muss immer die Böse sein. Beispielsweise wenn ich am Abend fernsehe und Katharina auch an diesem Erlebnis teilhaben möchte. Da kommt Judit und schaltet uns beiden den Fernseher aus.

Letzte Woche waren wir gemeinsam im Tiergarten Schönbrunn. Katharina kletterte auf eine als Pferd getarnte elektrische Schaukel- und Schüttelmaschine. Einen Euro hatten wir bereits für das Vergnügen von Katharina investiert, aber sie wollte und wollte nicht heruntersteigen. Zunächst gingen ich und Judit ein Stück weiter und sagten: „Baba Katharina! Wir gehen weiter!“. Aber dieses Spielchen zeitigte keinen Erfolg. Katharina blieb auf ihrem Pferd hocken. Judit sagte zu mir: „Jetzt geh du mal zurück. Immer muss ich die Böse sein. Nehme du einmal deine Vaterpflichten wahr!“ Ich schluckte und rollte dann auf Katharina zu. Würde sie mir folgen? Welche Machtinstrumente habe ich schon außer ein paar guten Worten. Ich kann sie ja nicht einmal herunternehmen und beispielsweise auf die Schulter setzen was ihr sicher auch gefiele. Beklommen rollte ich auf Katharina zu und redete und redete. Sprach von „Einmal ist es genug … die Affen warten … der kleine Elefant wird gefüttert … wir gehen später zum Spielplatz … und überhaupt: Bitte Katharina komm sonst wird der Papa traurig…“ Siehe da, ich hätte es selbst nicht geglaubt, aber Katharina kletterte von dem Pferd herunter und setzte sich zu mir auf das Fußpedal. Und so fuhren wir zu Mama, die wunderte sich sichtlich und ich konnte den Anflug eines stolzen Lächelns nicht verbergen.

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