28.08.: Unser dreijähriger Sohn Elias sammelt täglich neue Erkenntnisse.

Judit zu Elias: „Was kommt nach Mittwoch?“
Elias: „St. Pölten.“
Judit: „Und was kommt nach Sonntag?“
Elias: „Salzburg.“
Judit: „Salzburg ist kein Wochentag, sondern ein Ort in Österreich.“
Elias: „Österreich befindet sich am Bahnhof Salzburg.“

 

30.08.: Wie schon einmal beschrieben, hat Elias kein Kuscheltier, sondern nur seine Kuscheldecke, die er zum Einschlafen braucht. Wenn er im Bett liegt, zieht er seine Decke bis zur Nase, hält sie mit einer Hand fest und sucht mit der anderen den Zipfel der Decke. Einschlafen ohne diese Decke geht gar nicht. Nun ist diese Decke, die er auch ständig in der Wohnung hinter sich herzieht, oft ziemlich schmutzig und Judit muss den richtigen Moment suchen, um die Bettdecke in die Waschmaschine zu stecken. Heute schien der richtige Moment dafür gekommen zu sein: Elias war im Auto eingeschlafen und schlief jetzt in seinem Bett mit Katharinas Decke zugedeckt. Doch wir hatten uns getäuscht, denn Elias wachte plötzlich auf und weinte fürchterlich, da er seine Decke vermisste. Judit erklärte, dass sie in der Waschmaschine ist. Sie gingen gemeinsam ins Bad und Elias beobachtete, wie sich die Decke in der Waschmaschinentrommel drehte. Aber das beruhigte ihn keineswegs. Er griff mit beiden Händen auf die Glasscheibe und rief schluchzend: „Ich will meine Decke!“ Das ging so die restliche halbe Stunde, eben den ganzen restlichen Waschvorgang. Elias war nicht zu beruhigen. Schließlich holte Judit die Decke aus der Waschmaschine, die Daunendecke war natürlich nicht trocken, sondern noch ganz durchnässt. Elias stürzte sich jedoch auf sie und ließ sie nicht mehr los. Müde legte er sich in sein Bett und die nasse Decke hing über die Stäbe seines Kinderbettes. In einer Hand hielt er den Deckenzipfel und so schlief er wieder ein, während die Decke vor sich hintropfte.

 

31.08.: Auf Wikipedia findet sich folgende Definition von Charmeur: „Mann, der durch gute soziale und kommunikative Fähigkeiten Frauen geschickt Komplimente macht und dabei Sympathie für seine eigene Person oder eine Sache erzeugt“. Kurz gesagt: Man könnte auch das Wort Charmeur gleich durch Elias ersetzen. Wie sehr er seinen Charme spielen lassen kann, wurde uns heute wieder bewusst: Elias liebt es, selbst zu kochen. Er holt sich einen Topf, Salz, Pfeffer, Reis, Nudeln, Nüsse, Rosinen, Zimt, frische Blumen aus dem Garten und vielleicht auch den einen oder anderen Käfer … Dann mischt er und rührt er, bis alles fertig ist und jeder kosten muss (darf). Heute hat Elias wieder gekocht. Und ich weiß nicht, ob es am Geschmack seines Gerichtes lag oder an einer Eingebung. Plötzlich sagte er zur Kinderbetreuerin Nina: „Nina, du bist echt scharf!“ Nina fühlte sich geschmeichelt und sagte: „Und du bist echt süß!“ Elias streut öfters Komplimente. Eines Tages sagt er im Auto zu Judit, die am Steuer saß: „Mama, du bist echt eine Super-Autofahrerin!“ Die Mama hätte vor lauter Lachen fast einen Unfall gebaut.

 

25.09.: Unser Sohn liebt rosa Haarspangen, besonders jene der Assistentin Cey. Wenn man zu Elias sagt: „Aber du bist doch ein Bub“, kommt die Antwort: „Nein, ich bin ein Mädchen!“ Fragt man weiter, ob Katharina auch ein Mädchen ist, sagt Elias: „Nein, Ida ist ein Bub!“ „Und der Papa?“ Elias: „Der ist ein Mädchen“.
Wir versuchen ihm den Unterschied zwischen Bub und Mädchen zu erklären und Elias hat jetzt auch schon ein wenig Zweifel. Der Papa ist für ihn jetzt doch ein Bub. Das freut mich und macht mich um Jahre jünger.
Als ich Elias vor kurzem beim Essen wieder fragte, ob er ein Bub oder Mädchen ist, zögerte er. Dann seine diplomatische Antwort: „Ich bin ein Pferd!“

 

26.09.: Das Sticker-Fieber. Gleich nach dem Sommer haben alle Supermarktketten Sticker-Sammelmappen herausgebracht. Wir haben alle! Genauer gesagt: Katharina hat alle gekauft. Bei jedem Einkauf über zehn Euro bekommt man eine Packung Sticker geschenkt. Jeden Morgen fragt Katharina die neue Assistentin: „Warst du einkaufen? Hast du Sticker bekommen?“ So hat Katharina sehr rasch alle Kleber vom Billa zusammenbekommen und sie war die erste in ihrer Klasse, die ihr Album voll hatte. Es ist eben doch ein Vorteil, wenn der Papa behindert ist und viele Assistentinnen hat.

 

27.09.: Der vergangene Sonntag begann wie verhext. Mein Beatmungsloch war nicht abzudichten, andauernd zischte Luft heraus. Wir haben ein sehr ausgeklügeltes Abdichtungssystem mit Schaumstoff und Wattestäbchen, das in der Regel sehr gut funktioniert. Nur eben vergangenen Sonntag nicht. Wir bastelten und probierten herum und schnitten einen Schaumstoff nach dem anderen zurecht. Aber nichts half. Auch Katharina war schon genervt und verzagte: „Papa, warum pfeifst du immer?“ Doch guter Rat war teuer.
Später gingen Judit und die Kinder spazieren. Plötzlich bekam ich weniger Luft. Die Assistentin Cey handelte laut einstudiertem Notfallplan und saugte die Kanüle ab, aber sie schien nicht verstopft zu sein. Trotzdem wurde die Luft immer knapper und kurze Zeit bekam ich gar keine Luft, dann zum Glück wieder ein bisschen. In solchen Momenten wird mir klar, wie notwendig Luft ist und wie schnell man Panik bekommen kann, wenn es einem den Atem verschlägt. Da ist Vertrauen in die Assistentin gefragt!
Cey handelte richtig und holte die vorbereitete Notfallkanüle zum Wechseln. Da läutete es an der Haustüre, 15 Uhr, die nächste Assistentin Linda kam herein. Zum Glück sind meine Assistentinnen keine Beamtinnen, die mit Dienstschluss einfach den Bleistift oder den Absaugschlauch fallenlassen und sich verabschieden. Zu zweit wechselten beide Assistentinnen die Atemkanüle, Cey zog sie heraus und Linda führte die neue Kanüle ein. Ich konnte im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen! Happy End und Danke an die Assistentinnen. Ihr seid toll!
Als Judit und die Kinder nach Hause kamen, betrachtete Katharina neugierig die alte Kanüle und stellte fest: „Die ist ja richtig verdreht. Zum Glück hast du sie gewechselt. Jetzt pfeifst du auch nicht mehr“.

 

3.10.: Tischlein deck dich. Katharina deckt mal gerne, mal nicht so gerne den Tisch. Elias ist hingegen ganz begeistert beim Tischdecken. Er kramt aus den Schubladen lautstark Gabeln, Messer und Löffel hervor und juchzt dabei erfreut. Warum, das erfährt man spätestens beim Essen. Anfangs haben wir uns gewundert, dass niemand eine Gabel hat, Elias aber alle fünf. Er baut daraus nämlich einen Bahnhof mit lauter Schnellzügen. Und während wir mit den Fingern essen, düst Elias mit seinen Gabel-Zügen am Tisch herum.

 

08.10.: Heute ist es draußen saukalt, ein richtiger Wintereinbruch. Da denkt man gerne an schöne Sommertage zurück. So auch mein Sohn Elias. Er sagte beim Abendessen: „Wir waren in Schönbrunn schwimmen. Und als wir zurückgekommen sind, warst du zu Hause, Papa“. Ich nickte und bestätigte: „Ja, ich habe zu Hause auf dich und Katharina gewartet“. Elias überlegte weiter: „Warum gehst du nicht mit schwimmen? Weil dort Stiegen sind? Du kannst mit dem Rollstuhl nicht über Stiegen fahren“. Ich nickte: „Mit dem Rollstuhl kann man nicht über Stiegen fahren“. Da wurde Elias ganz aufgeregt und sagte: „Aber Papa, die Stiegen müssen weg, ich bau dir eine Rampe!“
Das war eine schöne Aussage meines Sohnes. Er hatte noch nie zuvor über Rampen und die Schwierigkeit mit dem Rollstuhl geredet.

 

22.10.: Vorgestern Abend herrschte bei uns große Aufregung, die Wassertherme war undicht und tropfte ständig. Judit telefonierte mit einem Installateur und redete davon, dass die „Therme“ tropft. Als sie mit dem Telefonat fertig war, stand Elias mit Badehose in der Küche. „Was willst du mit der Badehose?“, fragte Judit. Elias sagte: „In der Therme schwimmen“, denn er dachte an die Schwimmtherme, wo er vor kurzem einmal baden war.

 

 

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