11.02.: Als Kind dachte ich mir immer, dass es äußerst schwierig sein muss, Chinese zu sein, denn da muss man mit den Stäbchen essen. Gabeln gibt es keine in China. Heute denke ich: Hätten wir doch nur mit Stäbchen zu essen gelernt, denn bei uns am Tisch gibt es schon seit einiger Zeit keine Gabeln mehr. Sie sind vom Tisch verschwunden und haben sich in der Spielkiste von Elias zu U-Bahnen, Straßenbahnen und Schnellbahnen verwandelt. Auf jeder Gabel steht die Kurzbezeichnung des Zuges, zum Beispiel U6 oder 58. Das reichte Elias aber nicht, so hat die Kinderbetreuerin Nina auf einem riesigen Plakat am Boden das Wiener U-Bahn-Netz aufgemalt, da fahren jetzt die Gabelzüge hin und her. Elias liebt die alten Züge. Ich liebe die neuen Züge, denn da komme ich mit dem Rollstuhl hinein. Die Argumente gingen hin und her, da meinte Elias: „Papa, ich habe eine Idee, ich bau dir eine Rampe, da können wir in der alten U-Bahn gemeinsam fahren.“ Judit hat für Elias aus Karton U-Bahnzüge gebastelt. Die liebt Elias derart, dass er mit ihnen sogar schlafen geht. In der Früh gab es ein böses Erwachen: Die U-Bahnzüge hatten in der Nacht einen Unfall mit einem ordentlichen Blechschaden. Sie mussten in die Reparatur zur „Judit-Werkstatt“. Da war Elias wieder glücklich.

 

18.02.: Elias unterhält uns immer wieder mit lustigen Sprüchen, die auch zum Nachdenken anregen – vor allem, da er Sätze, die man zu ihm sagt, immer umdreht. Heute beim Mittagstisch saß er Opa gegenüber. Opa meinte zu ihm, dass er aufessen soll, damit er groß und stark wird. Darauf meinte Elias: „Opa, hör auf zu schimpfen. Wenn du klein bist, gehst du in dein Zimmer und denkst nach.“ Da musste Opa fürchterlich lachen.

 

Die Großmutter von Katharina und Elias ist 2008 gestorben. Elias hat sie nicht kennen gelernt, aber er kennt seine „Nonna“ aus Erzählungen. In einer ruhigen Minute sagte Elias zu Judit: „Mama, ich möchte unbedingt zu meiner Nonna und zum lieben Gott in den Himmel und pfiati sagen – aber dann Mama, möchte ich gleich wieder zurück zu dir und zu Papa und zu Katharina kommen.“ Darüber sind wir sehr froh!

 

Zebra, Löwe und die kleine Giraffe. Es war ein großer Schock für Elias: Die kleine Giraffe im Tiergarten Schönbrunn war gestorben. Angeblich an einer Darmerkrankung, wahrscheinlich hat ihr jemand von den Zuschauern etwas Falsches gefüttert. Elias war erschüttert und traurig. Zum Opa hat er gesagt: „Sie ist jetzt im Himmel, wie die Oma. Da geht es ihr gut, vielleicht kommt sie einmal herunter.“ Judit erzählte, dass Elias nach dem Besuch im Tiergarten geweint hatte. Ein Maroni-Verkäufer hat seine Tränen im Gesicht gesehen und als Elias ihm von der kleinen Giraffe erzählt hatte, meinte er: „Du hast ein großes Herz.“ Er schenkte Elias eine Maroni.

 

Der Tod der kleinen Giraffe beschäftigte Elias noch viele Tage. Ein weiterer Schock für ihn war, dass Nina ihm sagte, dass Löwen Zebras fressen – aber nur in der freien Wildbahn. Elias konnte das nicht verstehen. Wie kann man ein liebes Zebra fressen? Am Abend spielte Elias mit Judit Löwe und Zebra in freier Wildbahn. Judit spielte das Zebra und Elias immer den Löwen. Einen Rollenwechsel lehnte er strikt ab.

 

21.02.: Katharina geht in eine Integrationsklasse. David, ihr Lehrer, hat einen ausgebildeten Therapiehund namens Kaya, der öfters mit in die Klasse kommt. Lustig ist, dass der Hund darauf trainiert ist, dann zu bellen, wenn David die Hand hebt. Er bellt aber auch, wenn Kinder in der Klasse aufzeigen. Und da sie das sehr oft tun, weiß die ganze Schule, dass Kaya auf Besuch ist.

 

Davids Frau Christina arbeitet mit dem Therapiehund Kaya in ihrer Integrationsklasse nach der Methode „Lernmotivation Hund“. Jetzt gibt es eine interessante Homepage zur tiergestützten Pädagogik.

www.dogs4school.com

 

04.03.: Die Wahrheit kommt oft schon beim Frühstück zu Tage – Kindermund tut Wahrheit kund. Judit ist immer sehr darauf bedacht, dass gesund und biologisch gegessen wird. Beispielsweise gibt es in der Früh Dinkelmüsli. Katharina ist davon wenig begeistert. Nachdem Nina, unsere Kinderbetreuerin, in den letzten Tagen einiges an ganz gesundem Essen auftischte, sagte Katharina in der Früh zu Judit: „Weißt du, die Nina wird bald kündigen, denn sie muss immer kochen, was uns Kindern nicht schmeckt.“ In den nächsten Tagen gibt es Spaghetti, Fischstäbchen und Pizza 🙂

 

Neulich ging die Butter aus – zum Glück gibt es Butterkekse. Judit hatte es heute sehr eilig, ins Büro zu kommen. Doch Elias wollte noch frühstücken. Die Butter war allerdings aus. Da hatte Elias eine gute Idee: „Weißt du Mama, ich habe noch Butterkekse.“ Judit war davon wenig begeistert. Da kam Elias mit einem weiteren Vorschlag: „Ich nehme eine Jause mit in den Kindergarten.“ Als Judit zögerte, sagte er zu uns: „Mama, bitte glaub es mir und erlaub es mir! Papa, glaub es mir und erlaub es mir!“. Dann mussten wir beide lachen, der Text stammt aus dem Kinderbuch „Valerie, die nicht schlafen will und um Erlaubnis bittet, aufbleiben zu dürfen“. Elias durfte sich eine Jause mitnehmen und Mama kam früher ins Büro. Elias half dabei mit und beeilte sich sehr. Als er beim Schuhe-Anziehen nicht gleich in den Schuh reinkam, schimpfte er: „Schuh, lass den Fuß hinein, sonst kommt die Mama nicht in die Arbeit und ich nicht in den Kindergarten“.

 

06.03.: Was der Kultursender Ö1 so alles sagt. Bei uns in der Familie gilt ein striktes Verbot von Un-Worten, die mit „sch…“ beginnen. Wer „sch…“ sagt, muss zur Strafe 16 Kniebeugen machen. Heute morgen war Elias in der Küche, im Hintergrund lief auf Ö1 Leporello. Plötzlich lief Elias durch die Wohnung und rief: „Mama, das Radio hat Scheiße gesagt!“ Mama empört: „Jetzt muss das Radio 16 Kniebeugen machen!“ Und das im Kultursender Österreich 1.

 

07.03.: Die schwarze Katze. Katharina wünscht sich seit langer, langer Zeit ein Haustier. Unsere Spinnen, Stubenfliegen und Heuschrecken, die sich in unsere Wohnung verirren, reichen ihr schon lange nicht mehr. Ein Hund muss her! Oder eine Katze! Wir Eltern konnten uns dazu noch nicht durchringen. Doch es kommt, wie es kommen muss: Eines Tages saß eine große schwarze Katze vor unserer Terrassentür und schaute mit großen Augen bettelnd herein. Katharina nutze die Chance der Stunde und rief: „Meine Katze!“ Sie öffnete die Tür und streichelte die Katze, die laut zu schnurren begann. Seitdem kommt die schwarze Katze täglich zu uns, um ihre Streicheleinheiten von Katharina zu bekommen. Das Glück dauerte ein paar Tage, dann entdeckten wir auf der Straßenlaterne ein Poster mit der Aufschrift: „Schwarze Katze Penelope weggelaufen…“. Katharina rief die Besitzerin an und diese holte Penelope ab. Katharina weinte. Aber zwei Tage später schaute Penelope wieder bei der Terrassentür herein. Katharina hatte ihr Haustier wieder. Inzwischen hat sie ein Schlafkörbchen hergerichtet, wo sich Penelope nach ihren nächtlichen Ausflügen zusammen rollt und gemütlich ausschläft. Schwarze Katzen können auch Glück bringen!

 

09.03.: Heute Morgen. Elias öffnete die Terrassentür und hielt seine Nase hinaus. Dann meinte er: „Mama, ich dufte den Frühling.“ Dann hat er die Tür wieder zugemacht und hat gemeint: „Jetzt ist der Frühling wieder weg.“

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