11.06.: Elias wird getauft. Ich kann mich an meine Taufe nicht mehr erinnern, schließlich war ich noch ein Baby. Elias ist jetzt vier Jahre alt und er wurde vor zwei Wochen getauft. Das Schöne daran ist, dass er es bewusster miterleben konnte. Obwohl ein Kind mit vier Jahren immer etwas unberechenbar ist. Besonders wenn es darum geht, dass Wasser über den Kopf geschüttet wird. Früher hat Elias gerne geduscht, derzeit mag er es überhaupt nicht mehr. Wir haben auch lange gezögert, aber Elias war vor etwa zwei Monaten bei einer anderen Taufe und diese hat ihm so gefallen, dass er gesagt hat, er möchte jetzt auch getauft werden. Gesagt und fast getan.

Wir haben zwei tolle Taufpaten gefunden: Onkel Peter, der mit seiner warmen Stimme schon als Baby Elias wie ein Magnet anzog und bei dem er sich wohl fühlt. Und Romana, die als langjährige Assistentin schon als Familienmitglied zu zählen ist. Elias liebt Romana. Als eine andere Assistentin einmal zu Elias gesagt hat: „Elias, ich habe von dir geträumt“, sagte Elias: „Und ich von Romana“. Zwei schöne Wegbegleiter.

Zur Vorbesprechung der Taufe kam Pfarrer Tomas eine Woche vorher zu uns nach Hause. Katharina bereitete gerade ihr Schulreferat über Walrosse vor und Tomas lernte, dass Walrosse 30 Minuten lang unter Wasser bleiben können. Was auch für eine Taufe nicht ganz uninteressant ist. Aber da Elias kein Walrossbaby ist, muss er nicht so lange unter Wasser bleiben. Tomas riet jedoch Judit zu einem Besuch der Kirche vor der Taufe. Elias sollte wissen, wo das Taufbecken ist und was ihn dort erwartet. Judit folgte diesem Rat einen Tag später. Doch Elias war vom Taufbecken und dem Wasser ganz und gar nicht begeistert. Ob das wohl gut gehen würde?

Pfingstsamstag, der Tag der großen Taufe. Wir waren alle schon sehr aufgeregt und kamen verspätet zur Kirche. Aber wo waren meine Eltern aus Kärnten? Kurzer Schrecken. Dann entdeckten wir sie bereits in einer Kirchenbank sitzend.

Die Taufe begann zur Verwunderung aller mit dem Lied „Wir freuen uns schon so auf Ostern“. War Ostern nicht schon vorbei? Nicht für Elias, es ist sein Lieblingslied. Plötzlich läutete mein Handy. „Schnell abschalten“, sagte ich zur Assistentin. Sie sagte: „Aber es ist Romana.“ Ich blickte um mich, Romana war nicht in der Kirche. Die Assistentin nahm den Anruf an. Es stellte sich heraus, dass Romana in der falschen Kirche war. Zum Glück nicht zu weit und Romana rannte zu uns. Sie kam auch gerade rechtzeitig, als die Taufpaten zu einer Rede aufgefordert wurden.

Dann trat Judit ans Mikrophon, Elias wollte ganz nah bei ihr sein, sie trug ihn auf dem Arm. Judit sagte, dass der heutige Tag der zweite Geburtstag ist. Elias beugte sich zum Mikrophon vor: „Ja, das habe ich.“ Alle schmunzelten. Elias bekam von Tomas ein Taufgeschenk, eine Taschenlampe. Katharina bekam von ihm auch ein Geschenk: einen Schlüsselanhänger mit einem Walross.

Der Höhepunkt nahte, Tomas kam zu Elias und wollte ihn mit geweihtem Wasser, natürlich angewärmt, aus einem kleinen Kännchen taufen. Elias wollte aber sichtlich und hörbar nicht. So wurden zuerst die Eltern und die Taufpaten mit dem Wasser und einem Kreuz auf der Stirn gesegnet. Zuletzt bekam auch Elias eine kleine Wassersegnung. Seine Aufregung war umsonst. Es war eine schöne Feier, mit vielen Liedern und vielen Freunden. Schön zu sehen, wie eingebunden Elias in die Familie und in den Freundeskreis ist. Durch ihn und seine Vorbildwirkung haben gleich vier andere Familien auch ein Pflegekind aufgenommen. Alle sind von seiner Offenheit, seiner Freude am Leben und Herzlichkeit bewegt. Elias beschäftigten in der Kirche aber mehr die Ziffern-Schilder der Psalmtafel, die er in die richtige Reihenfolge bringen wollte. Danach wurde Elias’ Taufe ordentlich gefeiert.

 

11.06.: Die Welt ist bunt. Gestern malte Elias seine Familie: sich, Katharina, Mama und Papa. Beim Anmalen der Gesichter überlegte Elias: „Für mich brauche ich eine braune Farbe. Für Katharina, Mama und Papa eine weiße.“ Er lief in das Kinderzimmer und fand auch einen braunen Stift. Etwas verzweifelt: „Ich finde keinen weißen Stift.“ Katharina war nicht da, aber ich und Judit waren uns einig, wir wollten auch eine braune Gesichtsfarbe. Das freute Elias und er meinte: „Wenn ich beim lieben Gott bin, dann wünsche ich mir, dass Mama und Papa auch braun sind.“

 

19.07.: Elias mag fast alle Menschen.

Eine Dame kam uns am Heimweg vom Kindergarten mit ihrem kleinen Pudel entgegen. Elias fragte die Kinderbetreuerin Kathrin, ob sie diesen Hund mag. Sie meinte: „Ja klar mag ich ihn, ich mag alle Hunde. Naja fast alle Hunde.“ Darauf sagte Elias: „Ja und ich mag alle Menschen, naja fast alle. Ich mag alle Menschen, außer die Soldaten, die Jesus getötet haben.“

 

19.07.: Auch die Feuerkäfer liebt Elias.

Gestern zeigte er der Kinderbetreuerin Kathrin ganz viele Feuerkäfer auf unserer Terrasse. Dabei sagte er ihr: „Pass auf und sei vorsichtig, damit du nicht unbeabsichtigt draufsteigst. Da darf man nicht einfach raufstampfen und sie töten. Nein die Feuerkäfer töten wir nicht, sicherlich nicht!“

Dazu muss angemerkt werden, dass Elias mit einem Jahr bereits von den Feuerkäfern so fasziniert war, dass er sie mit seinen kleinen Fingern genommen und mit dem Mund nicht nur geküsst, sondern gleich mit Panzer und Fühler gegessen hat. Er liebt sie wirklich mit Haut und Panzer.

 

09.08.: Wieder einmal ist Urlaub in Kärnten bei Oma und Opa angesagt. Elias freut sich auf sie, aber ganz begeistert ist er von den Schiffen am Millstättersee. Nach den ersten Tagen kann er alle unterscheiden: die „Kärnten“ ist doppelt geschmückt und größer als die „Seeboden“, die auch mit Fahne nur einfach geschmückt ist. Mit der „Peter Pan“ möchte Elias gar nicht fahren, die ist zu winzig. Fahrt nach Kärnten. Elias liebt die Schiffe am Millstättersee, kauft sich Fahrpläne und bastelt ein Poster, Judit zeichnet ihm „Kärnten“ und „Seeboden“. Elias rennt den ganzen Tag mit den Zeichnungen herum und schläft auch in der Nacht zumindest mit einer Zeichnung.

Für Judit und mich endet der Kärntenurlaub nach zwei Wochen, wir fahren nach London. Katharina ist schon dort und wartet auf ihre Eltern. Elias „darf“ bei Oma und Opa in Kärnten bleiben. Darf ist nett gesagt, denn er kann nicht mitfliegen. Es ist das erste Mal, dass er alleine für eine ganze Woche zurückbleibt. Der Abschied am Schiffhafen fällt uns allen schwer. Elias winkt weinend, während er mit Oma auf der „Kärnten“ davonfährt. Als wir später mit Oma telefonieren, ist aber alles schon wieder gut und Elias ist gut gelaunt. Oma erzählt, dass sie Mittag essen waren, Elias hat sich Pommes und Almdudler bestellt. Als der Küchenchef zur Vorspeise Früchte des Hauses serviert, sagt Elias: „Das esse ich ganz sicherlich nicht. Das habe ich nicht bestellt!“. Alles scheint in Ordnung zu sein und wir fliegen nach London zu den Paralympics, wo Katharina mit Tante Nicole schon auf uns wartet.

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