13.8.: Endlich wieder Sommer. Wie auch letztes Jahr sind wir heuer wieder bei meinen Eltern auf Urlaub. Kaum mit dem Auto angekommen, kamen auch schon Opa und Oma aus dem Haus gestürmt, stürzten sich auf die hintere rechte Wagentüre und zogen mit freudigen „Hallo! So groß bist du geworden…!“ Katharina aus dem Kindersitz. Und schwupp waren sie auch schon mit Katharina ums Hauseck verschwunden. So viel musste ihr gezeigt werden: Der Garten, der See, die Boote, auf die Katharina freudig zeigte und ausrief „Auto“ – , der Hasenstall, der Spielplatz … jedenfalls tauchte Katharina erst Stunden später wieder auf. Judit und ich sahen uns überrascht und schulterzuckend an. So ganz recht war es uns nicht, dass Katharina so schnell entführt wurde. „Man muss das verstehen“, sagte ich zu Judit, „die überschwengliche Liebe von Großeltern, die mit ihrem Enkelkind einmal pro Jahr längere Zeit zusammen sind“. Judit trug die Koffer ins Haus und ich blieb nachdenklich im Auto sitzen. Wo waren die Zeiten, als ich so überschwenglich von meinen Eltern begrüßt wurde.

Katharina liebt die neue Freiheit, am liebsten läuft sie den ganzen Tag nackig durch den Garten. Mit großer Freude entdeckte sie das Blumenbeet, wo sie für ihre Eltern gleich einmal einen Blumenstrauss pflücken wollte. Was ihre Großeltern jedoch zu verhindern wussten. Dafür half sie Opa jeden Abend beim Gartenspritzen. Ganz stolz ging sie mit Opa Hand in Hand durch den Garten und beobachtete mit Begeisterung, wie alles nass wurde. Ab und zu kam Opa der Schlauch aus und das Wasser tropfte an Katharina herunter. Sie schaute ganz verdutzt, lachte dann aber immer. Opa lachte sowieso. Er hat Katharina fest ins Herz geschlossen. Abends saß er gemütlich auf seinem Sessel und fragt: „Katharina, was trinkt der Opa?“ – „Bier!“, sagte Katharina stets. „Und was trinkt der Opa noch?“, fragte Opa weiter. „Bier!“, sagte Katharina meistens. Worauf Opa immer sagte: „Nein, Wein.“ So lernte Katharina einiges fürs weitere Leben.

Wir versuchten, die Gelegenheit zu nützen, um Katharina etwas Sinnvolles beizubringen, nämlich „Sauberkeit“. Sie rannte im Garten nackt herum und piselte mal hier hin, mal dort hin und Oma rannte verzweifelt mit dem rosaroten Topf hinterher. Sie solle doch „Gaga“ sagen, wurde ihr eingebläut. Und Katharina, ein braves Kind, sagte auch wirklich „Gaga“, meistens jedoch nach vollzogener Gartendüngung. Wir gingen dann immer auf die Suche und fanden ein Würstel hinter dem Baum und eines gut platziert beim großen Rollstuhlrad. Einmal gelang es jedoch, den Topf rechtzeitig zur Hand zu haben. Katharina weigerte sich jedoch zu sitzen und piselte im Stehen in den Topf. Die neue Generation wächst eben gegender mainstraemt auf!

Katharina liebt das Wasser. Ohne Furcht würde sie einfach in den See spazieren. Mit ihrem kleinen Schwimmreifen lernt sie schon nach kurzer Zeit alleine zu schwimmen, dreht sich wild im Kreis und steckt ihre Zehen aus dem Wasser, die sie dann mit einem Juchzer zu fangen vesucht. Papa schwimmt auch mit Schwimmflügel und Halskrause im Wasser. Katharina kommt immer wieder zu mir und versucht mich auch zu drehen.

 

10.9.: Überhaupt liebt Katharina ihren Vater. Unvergessen bleibt jener Nachmittag im Sommer unter dem Nussbaum, wo ich auf einer Liege lag und mich vom Schwimmen erholte. Plötzlich tauchte Katharina vor mir auf und ehe ich mich versah, hatte ich schon ein großes Stück Pfirsich im Mund. Köstlich, dachte ich, wie nett, so von seiner Tochter verwöhnt zu werden. Noch ehe ich den Gedanken zu Ende brachte, hatte ich schon weiters ein Stück Zwetschke und gleich darauf wieder ein Stück Apfel im Mund. Ich kam kaum mit dem Kauen und Schlucken nach, Katharina drückt mir schon wieder einen Pfirsich in den Mund. Ich musste lachen und würgte ein „Nein“ heraus. Aber Katharina war so beseelt von dem Gedanken, ihren Vater nicht hungern zu lassen.

Katharina sitzt gerne auf meinem Schoß und gibt mir zu essen. Gibt es etwas sehr gutes wie Brot mit Speck, wird nach ihrer Ansicht fair geteilt: Sie isst den Speck, Papa bekommt das Brot. Neuerdings hat sie das Fußpedal bei meinem Rollstuhl als ideale Sitzbank entdeckt. Sie schiebt meine Beine auf die Seite und setzt sich seufzend nieder. Dannach wird gemeinsam das Fernsehen kommentiert. Mama sieht das nicht so gerne, aber jede Abstimmung würde sie zweifelsfrei verlieren. Auch beim Spazierengehen sagt Katharina immer „sitzen, Papa sitzen“ und dann nimmt sie bequem am Fußbrett Platz und lässt sich stolz herum kutschieren. So eine Fahrgelegenheit haben andere Kinder nicht.

 

 

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