Über den Literaturpreis Ohrenschmaus berichtete die Zeitschrift „Behinderte Menschen“ in ihrer aktuellen Ausgabe:

Kein Mitleidsbonus –einfach Literatur

Der von Franz-Joseph-Huainigg initiierte Literaturpreis „Ohrenschmaus“ versteht sich als Förderpreis, der Texte von Menschen mit Lernbehinderungen prämiert und ihnen den Zugang zur Literatur ermöglicht. Die Jury um Schirmherr Felix Mitterer sucht seit 2007 herausragende Texte von intellektuell behinderten Menschen, die Leserinnen und Lesern neue Einblicke in das Leben und Denken behinderter Menschen ermöglichen und zur Vielfalt der Literaturlandschaft beitragen.

Mehr als 1700 Texte – über 150 Texte waren es in diesem Jahr – wurden seit der ersten Preisverleihung eingereicht. Sie zeigen das Können der neu entdeckten Literatinnen und Literaten. Die Texte geben Anlass zum Nachdenken oder Schmunzeln, spiegeln das Alltagsleben wider oder befassen sich mit außergewöhnlichen Gedanken. Auf Augenhöhe erzählen Menschen mit Lernschwierigkeiten aus ihrem Leben – und auf Augenhöhe werden ihre Texte rezipiert.

Preisverleihung

Im November dieses Jahres wurde der Literaturpreis „Ohrenschmaus“ zum zehnten Mal vergeben – die festlich geschmückte Ovalhalle des Wiener Museumsquartiers bot den würdigen Rahmen dafür. Dani Linzer und Ronny Pfennigbauer („MC Ron“) führten gekonnt durchs Programm. Und dann war es so weit: die Preisverleihung.

Die drei Hauptpreise mit je 1000 Euro Siegerprämie gingen an die Vorarlbergerin Sybille Graf mit ihrem Text „Sie hat sich richtig entschieden oder wir haben es zusammen geschafft!“ Darin beschreibt sie in „sehr eindringlichen Worten die Ausgrenzungen und Mobbingerfahrungen, die man als sogenanntes behindertes Kind in Kindergarten und Schule erleben kann“ (Auszug aus der Jurybegründung).

Den zweiten Hauptpreis erhielt Viktor Noworski für seinen Text „A brennhassa Summa“. Ein „erstaunliches Stück Prosa in völlig eigenständiger Schreibweise, einer dem Jiddischen entlehnten Satzstellung, mit englischen und jiddischen Wörtern und Phrasen“ (Auszug aus der Jurybegründung).

Der dritte Hauptpreis ging an den Oberösterreicher Herbert Schinko für seinen Text „Die Zeit“. Ein Text, „den man wie ein Gebet lesen kann, wie eine Beschwörung des Glücks“ – Jurymitglied Heinz Janisch. Ehrenliste

Beeindruckend waren auch die Texte jener Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die es auf die „Ehrenliste“ des Ohrenschmaus- Preises geschafft haben: Melanie Corn, Klaus Willner, Hakan Alkis, Kevin Neubauer, Anna Traunig, Peter Gstöttmaier, Herwig Hack und Elisabeth Stachl. Traditionell wurde wieder ein ausgesuchter Text (der Schwechater Paul mit seinem Text „Der Tisch“) auf einer eigens dafür geschöpften „Ohrenschmaus-Schokolade“ der Schokoladenmanufaktur Zotter veröffentlicht. Für die künstlerische Umrahmung sorgte die inklusive Band „Mundwerk“ aus der Steiermark.

Die Texte lasen die Schauspieler Kristina Sprenger und Gregor Seberg. Buchtipps – „Best of Ohrenschmaus“ Noch ganz druckfrisch ist der zweite Sammelband mit Ohrenschmaus-Texten: Franz-Joseph Huainigg (Hg.): Zu zweit ist weniger allein. Literaturpreis Ohrenschmaus: die besten Texte, 20 € , Weitra: Bibliothek der Provinz, ISBN 978-3-9902-8560-2.

Der erste Band erschien anlässlich des Fünf- Jahres Jubiläums im Dezember 2011 im Verlag „Bibliothek der Provinz“: Franz-Joseph Huainigg (Hg.): Kann nicht schlafen. Literaturpreis Ohrenschmaus: die besten Texte, 18 €, ISBN 978-3-9024-1694-0. Info: ohrenschmaus.net. Dort finden sich auch sämtliche Texte seit 2007.

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