Manchmal tut es einem leid, dass man ein
Interview gegeben hat. Als langjährige Abonnenten der Zeit, gingen wir davon
aus, dass qualitätsvoll berichtet wird. Doch der Artikel von Verena Randolf
„Die Beatmungsmaschinerie“, Die Zeit Nr. 44., enthält nicht nur zahlreiche
falsche Behauptungen, sondern setzt die Zitate in einen verzerrenden
Gesamtkontext. Wir distanzieren uns von diesem Artikel, und möchten Folgendes
richtigstellen:

  1. Verena Randolf lässt die Behauptung von Natalie Lottersberger, dass der Einsatz von LaienhelferInnen bei der Beatmung unverantwortlich und unprofessionell ist nicht nur stehen, sondern macht es zu einem tendenziösen Skandal. Wie es das GuKG (Gesundheits- und Krankenpflegegesetz) seit 2007 vorsieht, dürfen Persönliche AssistenInnen medizinnahe Tätigkeiten, wie beispielsweise das Absaugen der Atemkanüle oder Katheterisieren, durchführen, wenn diese Tätigkeiten von einem Arzt oder einer Pflegefachkraft delegiert und damit qualifiziert und zertifiziert werden (siehe Leitlinie der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie www.ogp.at). Das System der LaienhelferInnen ist kein Sparmodell, wie es im Artikel behauptet wird, sondern sinnvoll, effizient und ermöglicht ein autonomes Leben in Mitten der Gesellschaft, was in Deutschland bei einer Heimunterbringung nicht der Fall ist. Die Leitempfehlungen der wissenschaftlichen Gesellschaft für Pneumologie zur Etablierung einer Beatmung zu Hause inkl. der Standards für die nachweisliche Schulung wurden Frau Verena Randolf zur Verfügung gestellt, die Gesetzeslage erklärt, aber blieben im Artikel unberücksichtigt. – im Gegenteil „Unversorgtheit“ tendenziös dargestellt.
  2. Das Argument der „professionellen Betreuung“ in Heimen und Einrichtungen ist zu relativieren, denn wer sind die Profis? Wer, wenn nicht der Mensch mit Behinderung selbst, weiß am besten, wann er wo, wie und von wem betreut und unterstützt werden kann und möchte. Jede einzelne der zehn persönlichen Assistentinnen von Dr. Huainigg ist eine hochspezialisierte Fachkraft für seine Bedürfnisse. Die Aussage, dass Dr. Huainigg unversorgt nach Hause entlassen wurde ist somit unrichtig, denn sowohl seine Frau als auch seine Persönlichen Assistentinnen wurden im Krankenhaus vom Personal eingeschult.
  3. Der zentrale Vorwurf des Berichts, wonach ein autonomes Leben nur für jene beatmete Menschen in Österreich möglich ist, die über „persönliche Geldreserven“ verfügen, ist falsch. Wien ist durch die Pflege- und Ergänzungsleistung des Fonds Soziales Wien ein Vorzeigeprojekt. Die Stadt Wien finanziert die Persönliche Assistenz im Alltag, das Sozialministerium bundesweit einheitlich die Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz. Sind die von der Pflegeorganisation Care Ring geforderten 25 000€ für den Aufbau von professionellen Heimstrukturen eigennütziges Lobbying eines Wirtschaftsunternehmens, welches profitorientiert, aber nicht im Sinne der Betroffenen handelt? Diese wollen weiterhin durch die Delegation von Pflegetätigkeiten an Persönliche AssistentInnen ein selbstbestimmtes Leben inmitten der Gesellschaft führen. Heimstrukturen aber würden es vielmehr verhindern.
  4. Es ist sehr schade, dass die wichtigen Punkte der Verbesserung der Versorgung, wie die Supervision durch Fachpflege zu Hause, nicht dargestellt wurden und kein Bewusstsein dafür geschaffen wurde.

Primaria, Dr. Sylvia
Hartl, Pneumologin und Intensivmedizinerin und Dr. Franz-Joseph Huainigg,
Abgeordneter zum Nationalrat a.D.

Leave a Comment