Liebe BesucherInnen meiner Homepage!

In den letzten Wochen konntet ihr mein Vatertagebuch lesen, das ich über 10 Jahre hinweg geschrieben habe. Ihr werdet euch jetzt fragen: Wie sehe ich meine Vaterrolle aus heutiger Sicht? Quasi, was ist das Résumé? Lest in diesem und in den kommenden beiden Beiträgen meine Gedanken dazu.

 

Vom Kinderwunsch zu 2 Kindern

Ich bewege mich im Elektrorollstuhl fort und lebe ein selbstbestimmtes Leben mit der Unterstützung von persönlicher Assistenz. Seit 22 Jahren bin ich mit Judit verheiratet, wir haben eine 16-jährige Tochter und einen 10-jährigen Sohn.

Als Judit und ich heirateten, war uns klar, wir wollten Kinder haben. Judit liebte Kinder und auch ich als Kinderbuchautor freute mich darauf, die Bücher meinen Kindern vorzulesen. Bisher hatte ich das nur in unzähligen Schulen getan, wo ich die vielfältigen Fragen der Kinder zu meiner Behinderung beantwortet habe. Etwa, ob man im Rollstuhl sitzend den ganzen Tag zuhause vor dem Fernseher ist, oder wie ich im Rollstuhl schlafe oder die Stiegen heraufgekommen bin. Ich erklärte den Kindern, wie toll ein Rollstuhl ist und was man damit alles machen kann. Manchmal übertrieb ich so sehr, dass eines Tages ein Mädchen sagte: „Zu Weihnachten wünsche ich mir auch einen Rollstuhl!“. Auch die Aussagen der Kinder waren immer sehr offen und direkt: „Du tust mir sehr leid, du hast eine Brille und heißt Franz!“ oder „Du tust mir leid, weil du eine Glatze hast!“ Darauf, solche Gespräche mit meinen eigenen Kindern zu führen, freute ich mich. Vielleicht, so dachte ich aber auch, kommen ganz andere Fragen, denn wenn sie mit einem behinderten Vater aufwachsen, wird vieles selbstverständlicher sein.

Unser Kinderwunsch wollte und wollte sich aber nicht erfüllen. Schließlich holten wir ärztlichen Rat ein und standen vor drei Entscheidungen: entweder ein Kind durch In-vitro-Fertilisation im Reagenzglas zu zeugen, oder Adoption bzw. Pflegekind, oder aber ganz auf Kinder zu verzichten. Wir wollten auf keinen Fall den medizinischen Weg einschlagen und ein Kind im Labor erzeugen. Da wir aber trotzdem Kinder wollten, entschieden wir uns für die Adoption, und beim zweiten Kind für Pflegschaft. Das hieß zunächst einen Kurs für werdende Adoptions- und Pflegeeltern zu besuchen, und vor allem lange warten. Für die Sozialarbeiterin schien es kein Problem zu sein, dass ich als Vater im Rollstuhl sitze. Wahrscheinlich auch, weil sie sah, wie gut ich durch die Unterstützung von persönlicher Assistenz, und vor allem auch meiner Frau, ein selbstbestimmtes Leben führe. Und da war ja auch Judit, die nicht behindert ist, durch ihre erfrischende und aktive Art wohl eine gute Mutter sein wird, und das Leben im Griff hat.

Es sollte schließlich vier Jahre dauern, bis der Anruf kam, dass wir ein gerade geborenes Mädchen adoptieren können. Vor Schreck und Freude fiel ich aus dem Rollstuhl. Und so zeigen die ersten Bilder, wo wir Katharina im Krankenhaus begegneten, mich mit Verletzungen im Gesicht.

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