Die Stimmen in meinem Kopf

Jaqueline Moser

 

Meine Freundin bat mich für ein Fest eine Geschichte zu schreiben. Da ich im Umgang mit Wörtern und beim Erfinden von Geschichten großartig bin, glaubte ich es wäre einfach. Ich machte mich also an die Arbeit.

Ich klappte meinen Laptop auf und öffnete eine leere Seite. Die ersten fünf Sätze gingen im Hand umdrehen, doch dann hörte ich eine Stimme. Um genauer zu sein mehrere. Eine riet mir meinen Haupt-Charakter als Tänzerin darzustellen, die nur von der Musik lebt. Eine andere meinte es würde ein Künstler, der ein Drogenproblem hat besser passen. So viele gute Ideen doch keine war gut genug für mich. Ich bin ein Mensch. Dennoch bin ich ein einzigartiger Mensch der sich gerne von anderen abhebt. Was für Ideen gibt es noch? Eine Frau die ihren verstorben Geliebten verliert und in die Vergangenheit reist um dies zu verhindern? Nein. Das geht überhaupt nicht. Ich versuchte nachzudenken doch die ganzen Stimmen in meinem Kopf waren so laut, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Ich fragte nach noch einer Idee. Eine schwarze Braut? Behalte ich mal im Hinterkopf, aber jetzt würde es nicht passen. Ich brauche eine Geschichte, die weder unheimlich noch schlecht zu verstehen ist. Etwas muss dran sein. Wie? Was hast du gesagt? Eine Geschichte über einen Jungen, der in einer Mörderfamilie kommt? Die Idee gefällt mir wird, aber glaube ich zu lang und hat viel zu viel Tod. Wieder im Hinterkopf einspeichern. Ich schaltete meinen Radio ein und ließ Musik spielen. Immer wenn mir nichts einfällt gehe ich im Raum herum und höre was meine vielen Mitbewohner in meinem Kopf zu sagen haben. Ich stand also auf und lief im Kreis herum. Noch eine Idee. Ein Mädchen das zwei Seiten an sich hat. Eine liebevolle aber faule Seite und eine brutale dennoch arbeitswillige Seite. Hm? Wäre zwar eine gute Geschichte, aber würden es die Leser verstehen? Wieder abspeichern. Eine leise Stimme meldete sich. Ich meinte zu den anderen, dass sie ruhig sein sollen. Was meinst du? Eine einseitige Geschichte über euch? Über meine Stimmen im Kopf? Wäre möglich. Ja. Das ist es. Ich tippte auf die Buchstaben. Als ich fertig war las ich es nochmal durch. Ich war zufrieden genug. Ich schloss den Laptop und legte ihn beiseite. Ich ging dann ins Bett und schlief ein. Als ich aufwachte war ich wieder in meiner Gummizelle. Eine meiner Stimmen fragte, ob mir diese Geschichte gefallen hatte. Ich nickte. Meine Stimmen sorgen immer dafür, dass es mir besser geht. Selbst in dieser Situation. Laut meiner Diagnose wurde ich als höchstgefährlich eingestuft. Kommt davon, wenn man zu viel Fantasie hat. Die sind alle nur neidisch. Die wissen eben nicht, was wahre Kunst ist. Wie armselig.

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