Johannas Lebensgeschichte

Denise Luttenberger

 

Johanna kam am 11.5.1995 zur Welt.
Sie kam aber um drei Monate zu früh und so fing der Albtraum für sie an. Johanna hatte es schon als Baby nicht leicht, da sie die ersten neun Monate nur im Krankenhaus war, da ihre Mutter nicht die Kraft dafür hatte. Ihr Vater ist schon lange vor der Geburt von Johannas Mutter weggegangen. Und so hatte sie einen neuen Vater, aber sie hatte bei ihm nichts zu lachen.
Es war immer das Gleiche: Wenn er nachhause kam, dann versteckte sie sich unter dem Tisch. Und sie musste zuschauen, wie er ihre Mutter schlägt. Und wenn er sie erwischte, dann ging er auch auf die kleine Johanna los.
Als die kleine Johanna drei Jahre alt war, hatte sie schon gelernt auf sich selbst aufzupassen. Die kleine Johanna war nicht glücklich, da sie immer all ihre Spielsachen verkaufen musste, da ihre Mutter kein Geld hatte um Essen einzukaufen.
Am nächsten Tag läutete es an der Haustüre. Die kleine Johanna öffnete die Türe, um zu sehen, wer da sei. Es standen zwei Polizisten vor der Tür und fragten die kleine Johanna, ob ihre Mutter da sei. Die kleine Johanna sagte ja und zeigte ihnen den Weg ins Wohnzimmer. Ein Polizist verließ die Wohnung, nach einer halben Stunde kam er wieder und brachte eine Frau mit. Die Frau stellte sich bei der kleinen Johanna vor und sagte, dass sie von der BH Graz sei und sie redete mit der kleinen Johanna. Sie merkte, dass die kleine Johanna unglücklich war und fragte sie, warum sie so traurig sei. Die kleine Johanna erzählte ihr die ganze Geschichte. Als sie kurz vorm fertig werden waren, kam ihr Stiefvater nach Hause und als er merkte, dass da was nicht stimmte, wollte er auf die kleine Johanna losgehen. Die Frau von der BH Graz überlegte nicht lange und brachte die kleine Johanna in Sicherheit.
Sie kam zu einer Pflegefamilie. Am Anfang war Johanna schüchtern und traute sich nicht viel, nach einiger Zeit gewöhnte sie sich daran und sie wusste, dass der Albtraum jetzt vorbei war. Nach 15 Jahren verließ sie ihre Pflegeeltern, da sie selbst auf ihren eigenen Füßen stehen wollte. Sie telefonierte jeden Tag mit ihrer Mutter, denn sie war nicht nur ihre Mutter sondern auch ihre beste Freundin. Sie war gerade so glücklich, sie hatte alles was sie wollte. Nach 16 Jahren Glück dachte Johanna nicht daran, dass ihr Leben sich noch ändern wird.
Sie stand ganz normal auf und wollte in die Arbeit gehen und von dem Zeitpunkt an änderte sich ihr Leben. Sie ging zur Arbeit und auf dem Weg spürte sie ihren linken Fuß nicht mehr. Er war wie eingeschlafen. Sie dachte sich nichts dabei, und es ging nach einer gewissen Zeit wieder, aber dann wurde es immer schlimmer. Jetzt war es schon so weit, dass sie ihre linke Hand nicht mehr spürte. Sie bekam Angst, aber ging nicht zum Arzt. Gegen 19:00 Uhr fing etwas an, was sie nicht gedacht hatte. Um 19:13 Uhr war ihre ganze linke Seite taub. Johannas Mama rief die Rettung, nach fünf Minuten war die Rettung da und sie schauten nach ihr. Als sie die kleine Johanna untersucht hatten, riefen sie den Notarzt an, wo der sei und ob er frei sei. Als er nach zehn Minuten da war, sagte er nur: Sofort ins Krankenhaus, wir können ihr nicht helfen.
Nach einer Stunde Wartezeit kam endlich die Ärztin und sagte, der Befund sei da. Aber es schaue nicht gut aus für die kleine Johanna. Johannas Mama fragte, was sie hatte. Die Ärztin sagte: Schlaganfall plus Gehirnblutung.
Als die kleine Johanna wieder zu sich kam, kannte sie sich nicht mehr aus – sie wusste nicht mehr, wo sie ist und wer sie ist. Als sie zu weinen anfing, kam ein Pfleger ins Zimmer und fragte, ob bei ihr alles in Ordnung sei. Sie fragte, warum sie hier sei und warum sie nicht mehr gehen könne. Der Pfleger setzte sich zu ihr und sagte zu ihr, dass es jetzt schwer für sie sein würde und sagte ihr auch was mit ihr los ist und was sie hat und warum sie nicht mehr gehen kann. Aber er sagte auch, dass sie bitte weiter kämpfen soll.
Und sie kämpfte auch, sodass sie wieder aus dem Rollstuhl kam. Nach neun Wochen war sie fast wieder die alte kleine Johanna. Sie konnte wieder alles machen, wie vorher. Aber leider, als sie wieder zuhause war, fing das Ganze wieder an. Die ganze linke Seite war schwer und somit musste sie noch mal ins Krankenhaus. Nach zwei Stunden Wartezeit kam endlich die Ärztin und sagte, dass sie noch mal eine Gehirnblutung hat. Für die kleine Johanna brach eine Welt zusammen. Nach fünf Tagen Aufenthalt hatte sie Visite und erfuhr, dass sie ohne eine Operation nicht lange leben wird. Also willigte sie in die Operation ein.
Sie musste viele Untersuchungen machen, da sie die Narkose zu hundert Prozent vertragen musste, doch bei der letzten Untersuchung lief etwas schief. Die kleine Johanna bekam keine Luft mehr. Sie kämpften um das Leben von Johanna. Als die kleine Johanna wieder zu sich kam, war das ganze Zimmer voller Ärzte und drei Notärzte waren auch da. Sie waren alle froh, als Johanna wieder die Augen öffnete. Sie durfte aber trotzdem die Operation machen. Nach drei Tagen war es so weit, sie hatte Angst nicht mehr aufzuwachen.

Es war so weit. Die Schwestern holten die kleine Johanna in ihrem Zimmer ab und brachten sie runter. Unten wartete schon ihre Mama und nahm sie in die Arme und sagte: Ich hab dich lieb, egal was passiert. Und so war sie auch darauf eingestellt, dass alles gut geht. Nach acht Stunden kam die kleine Johanna aus dem OP Raum und gleich in die Intensiv zur Überwachung. Als die kleine Johanna aufwachte, weinte sie.
Sie weinte erstens, weil sie Schmerzen hatte und zweitens, weil sie alles spüren konnte. Ihre Mama war die ganze Zeit über bei ihr. Die kleine Johanna musste zwar alles wieder lernen, aber das war ihr egal. Weil sie jetzt wusste, dass sie es geschafft hatte, und dass der Albtraum endlich ein Ende hatte. Sie war wieder glücklich und wollte nicht mehr zurück denken.

Aber nach zwei Jahren fängt der Albtraum schon wieder an. Es wird schon wieder alles taub und die kleine Johanna beschließt, schnell ins Krankenhaus zu fahren, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Nach zwei Stunden Wartezeit wird sie aufgerufen, und sie geht ins Ärztezimmer, um den Befund zu erfahren. Die Ärztin sagt zur kleinen Johanna, dass sie hier bleiben muss, dass sie schon wieder eine Gehirnblutung hat. Für die kleine Johanna bricht eine Welt zusammen. Sie denkt nur, warum immer ich und warum sie sie nicht einfach sterben lassen können und somit muss die kleine Johanna zuschauen wie Tag für Tag immer weniger geht.
Nach zwei Tagen erfährt sie, dass sie nochmal eine Operation braucht. Sie hat drei Tage nur geweint und wollte auch nichts essen. Nach drei Wochen war es wieder soweit und die kleine Johanna ist ganz gelassen. Sie hat genau die richtige Einstellung: Es ist das letzte Mal gut gegangen, also wird es jetzt auch gut gehen. Nach acht Stunden kommt die kleine Johanna auf und sie schaut sich mal um.

Sie schafft es schnell und kommt schon nach sechs Tagen in die Reha. Nach fünf Monaten ist der Horror für Johanna vorbei. Sie kämpft heute noch, aber sie ist schon auf dem Weg der Besserung und sie will nicht mehr darüber nachdenken. Sie ist eine Kämpferin und sie wird eine Kämpferin bleiben, das weiß die kleine Johanna ganz sicher.

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