Das Referat für Adoptiv- und Pflegekinder in Wien schlägt Alarm. Krisenpflegeeltern werden dringend gesucht. 43 gibt es derzeit in der Stadt. Es werden aber doppelt so viele benötigt.

Gewalt, Drogenmissbrauch, Verwahrlosung oder einfach Überforderung: Das sind einige der Gründe, aus denen Eltern immer häufiger ausfallen und ihrer Pflichten nicht mehr nachkommen können. In einer solchen Krise springen dann Pflegeeltern ein. 43 gibt es in Wien, gebraucht werden aber doppelt so viele, sagte Sozialarbeiterin Martina Reichl-Rossbacher vom Referat für Pflegeeltern gegenüber „Wien heute“.

Krisenpflegemutter mit bisher 32 Kindern

„Ich war grad am Jugendamt, beim Besuchskontakt mit meinen zwei Krisenkindern und da ist ein Anruf gekommen: Es kommt ein Mädchen rein. Und ob ich eben noch eines dazunehmen würde, weil so viel los ist“, sagt Sonja Bohrn. Die 40-Jährige hat eine zwölfjährige Tochter, einen Pflegesohn und drei Krisenpflegekinder. Seit fünf Jahren gibt sie Kindern spontan ein befristetes Zuhause. Insgesamt 32 Kinder waren es bisher, die längste Betreuung dauerte siebeneinhalb Monate.

„Innerhalb einer Stunde ist das Kind da. Und das Kind hat nur das Gewand an, was es anhat. Für das Kind da zu sein und mit ihm zu spielen, es aufzufangen“ sei das wichtigste, so Bohrn. Eigentlich sollen die Kinder maximal acht Wochen bei Krisenpflegeeltern bleiben. Doch immer wieder bleiben die Kinder länger, was dann auch Trennungsschmerz mit sich bringt: „Es tut einfach weh, weil es wie meine Kinder sind, aber wenn sie dann weg sind, freu ich mich dann schon wieder auf das nächste Kind“, sagt Bohrn.

Attraktiveres Anstellungsmodell seit Herbst

Krisenpflegeeltern springen für die leiblichen Eltern ein und betreuen Kinder von null bis drei Jahren. 43 Krisenpflegeeltern gibt es im Moment. Doch der Bedarf steigt ständig. Zudem möchte das Referat die Krisenpflege auch auf Kindergartenkinder ausweiten. Man bräuchte daher doppelt so viele Krisenpflegeeltern. Als Anreiz für diese besondere Aufgabe ist im November ein neues Anstellungsmodell geschaffen worden.

Krisenpflegeeltern verdienen um die 1.100 Euro netto im Monat, wenn sie mindestens zwei Kinder nehmen und mehr Zeit zur Verfügung stellen. Dazu kommt dann noch das Pflegegeld. Damit soll auch die Aufnahme von Geschwistern beziehungsweise die Aufnahme von zwei bis maximal drei Kindern gefördert werden.

Meist springen Frauen und Familien als Krisenpflegeeltern ein. Reichl-Rossbacher: „Männer sind natürlich genauso geeignet. Wir haben einen einzigen Krisenpflegevater bisher. Auch die sind sehr gerne willkommen. Wir machen auch sehr gute Erfahrungen mit ihnen.“ Die Altersgrenze für Krisenpflege liegt übrigens bei 65 Jahren.

(http://wien.orf.at/news/stories/2889252/)

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