März 2016. Ich sitze mit flauem Magen im Zug nach Kufstein. Ich bin nervös und aufgeregt. Heute Abend habe ich meinen ersten Fernsehauftritt vor mir. Ein Gespräch mit Barbara Stöckl in der ORFIII Reihe „Gipfelsiege“. Meine parlamentarische Mitarbeiterin, Evelyn beruhigt mich: „Es ist ja nicht das erste Mal, dass du vor einem großen Publikum sprichst. Bist eh ein alter Hase“. Die versteckte Provokation wirkt. Ich antworte mit leiser und belegter Stimme: „Alt bin ich schon. Mit Hase meinst du wohl meine abstehenden Ohren. Aber es geht darum, dass ich nicht flüssig und schnell reden kann. Meine Stimme ist durch die Beatmung abgehakt und es gibt immer wieder lange Pausen, wenn ich auf die Luft des Gerätes warte. Keine Ahnung, ob ich damit fernsehtauglich bin“. Meine persönliche Assistentin Mana nickt aufmunternd und bietet mir an, das belegte Weckerl zu essen. Aber ich bin wirklich nervös und habe keinen Hunger. Auch meine Stimme funktioniert nicht richtig, ich kann nur abgehakt, leise und sehr schwer reden. „Bis zum Abend wird es schon werden. Du weißt ja, am Ende klappt es immer, wie auch bei den Reden im Parlament“, sagt Mana und schiebt mir den Strohhalm in den Mund, damit ich wenigstens etwas trinke. Ich zucke die Achseln: „Stimme ist eben Stimmung. Mal sehen…“

 

Auf Burg Finkenstein schießt im Rollstuhl die Initiatorin Marianne Hengl auf mich zu und begrüßt mich stürmisch: „Mei Franz-Joseph! Dass du da bist! Mein Lieblingsbehinderter!“ Ich freue mich, sie zu sehen und zum Glück funktioniert meine Stimme wieder, ich kann sie herzlich begrüßen. Und dann sitze ich auf der Fernsehbühne im Rittersaal der Burg. Neben mir die sympathische Moderatorin Barbara Stöckl und die zweite Gesprächspartnerin Kristina Sprenger, die humorvolle Kommissarin von „Soko Kitzbühel“. Letzter Stimmencheck. Mana überprüft noch den Schaumstoff und die Wattestäbchen, mit denen mein Tracheostoma abgedichtet ist. Alles sitzt, die Stimme funktioniert. Mana klopft mir aufmunternd auf die Schulter, während Evelyn an meinem Halstuch zupft und die Jacke zurecht zieht. Es kann los gehen. Die erste Frage von Barbara Stöckl geht an mich: „Franz-Joseph, wir wollen in deine Welt eintauchen. Damals am 16. Juni 1966 ward ein gesunder Knabe geboren. Was weißt du über deine Geburt?“ Ich erzähle, dass ich von meinen Eltern sehr geliebt worden bin, wie ich meine erste Impfung bekam und danach Lähmungserscheinungen auftraten und wie sich meine Eltern für mich einsetzten. Das Sprechen fällt mir von Satz zu Satz schwerer. Ich presse die Luft heraus, um noch halbwegs verständlich zu sein. Dann geht es gar nicht mehr. Ich bringe keinen Ton heraus und merke wie mein Gesicht rot anläuft. Verzweifelt schnalze ich mit der Zunge, das Notsignal für die Assistentin. Wenn jetzt noch etwas hilft, dann sie! „Ich bin doch nicht fernsehtauglich!“, denke ich mir. Die Kameras werden gestoppt und Mana eilt auf die Bühne. Mir kommt vor, als alle Augen des Studiopublikums auf mich gerichtet sind. Ich finde das nur mehr peinlich und würde am liebsten in den Boden versinken. Mana beruhigt mich mit leiser Stimme, kafft meine Kanüle zu, richtet die Schlitzkompresse, die Stäbchen und den Schaumstoff und meint dann beim Entkaffen: „Jetzt sollte es wieder gehen“. Und es ging! Meine Stimme war wieder da, ich konnte reden. Die Aufnahme konnte weitergehen. Der peinliche Teil wurde aus der Sendung herausgeschnitten.

 

Oft läuft es im Leben nicht so, wie man es gerne hätte. Man versagt oder hat das Gefühl nichts zu Wege zu bringen. Doch es gibt immer einen Ausweg, man darf nicht verzweifeln und sollte Lösungen suchen. Oft kommt dann auch eine rettende Unterstützung. Ich bin meinen persönlichen Assistentinnen und parlamentarischen Mitarbeiterinnen sehr dankbar, dass sie mich durch dick und dünn begleiten. Mit ihnen an meiner Seite ist heute vieles möglich, was unmöglich erschien. Ich wünsche auch anderen solche Weggefährten.

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=dBDSc-5P5Pk

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