SAFARI Njema!

(Gute Reise!)

 Die Elefantenkuh stand zum greifen nah. Das Auto stoppte und der Guide schaltete den Motor aus. Mein Fenster war herunter gekurbelt und ich konnte ihr direkt in die Augen schauen. Sie fraß gemütlich die grünen Blätter und braunen Zweige vom Strauch. Ich hätte nur die Hand ausstrecken müssen um die faltige, graue Haut berühren zu können. Ihre Stoßzähne sahen kurz, schmutzig und in die Jahre gekommen aus. Sie war nicht mehr die Jüngste aber sie strahlte soviel Stolz und Ruhe aus, dass es mir den Atem verschlug. So standen wir eine Weile da, das gesamte Auto sagte kein Wort und wir beobachteten gespannt das Tier in seiner freien Wildbahn. Dann wurde es der Elefantenkuh zu bunt und sie bewegte sich mit einem schnellen und gewaltigen Schritt auf uns zu. Plötzlich war es im Auto gar nicht mehr ruhig, wir holten alle tief Luft vor Schreck, der Guide drehte den Zündschlüssel in Rekordzeit und wir hinterließen eine große Staubwolke hinter uns, um uns vor dem Zorn der Elefantenkuh in Sicherheit zu bringen.

 Eine weitere Woche ist in Tansania vergangen und ich warte noch immer auf die Ausstellung meiner Arbeitsgenehmigung. Sämtliche Entschuldigungen, warum, wieso und weshalb möchte ich nicht wiedergeben. Ich möchte meinen Reisepass nur gerne mit dem nötigen Stempel in den Händen halten! 

Langweilig wird es mir in Tansania jedoch nicht! Kurzerhand haben wir uns zu einer kleinen Gruppe zusammengeschlossen und eine Safari in den „Tarangire National Park“ unternommen. Der allgemein auch als „Elefantenpark“ bezeichnet wird. Wir sind natürlich nicht nur Elefanten begegnet, auch Giraffen, Gnus, Strauße, Zebras, Warzenschweine und Löwinnen konnte wir beobachten. Es war einfach atemberaubend und wunderbar so viele verschiedene Tiere sehen zu können. Für mich war es ein einzigartiges und auch verrücktes Erlebnis. Einmal den Tieren so nah zu sein und dann die Landschaft Tansanias. Es sind endlose Weiten, so kitschig das klingen mag, aber wer auch immer diesen Ausspruch geprägt hat, er hat es auf den Punkt getroffen. 

 Wenn auch die Safari-Tour eine schöne Erfahrung war, überschattet seit vergangenen Montag eine traurige Wahrheit meine Gastfamilie. Der Ehemann und Vater der Familie hat am Sonntag ohne ein Wort zu sagen, seine Sachen gepackt, viel Geld genommen und ist seither verschwunden. Noch viel trauriger ist, das es nicht das erste Mal war. Die Mutter steht nun wiederholt alleine mit ihren drei Kindern da. Außerdem lebt noch ein weiterer Volontär außer mir im Haus. 

Ich bin erstaunt wie stark sie für uns alle ist. Denn auch für mich war es ein Schock, da der Vater der Familie gleichzeitig ein Mitarbeiter der Organisation und mein erster Ansprechpartner bei Problemen war. Hautnah erlebe ich nun wie erleichternd und hilfreich es sein kann, eine große Familie, die Familie der Mutter, als nahen und/oder ferneren Nachbarn zu haben. Täglich kommt entweder die Großmutter, der Cousin, die Cousine oder ein anderer Verwandter/Bekannter ins Haus und hilft bei allem was eben so ansteht. Die Familie kommt so oft wie möglich zusammen und verbringt gemeinsam Zeit, um das erlebte zu bewältigen.

 

Am Donnerstag erreichte mich noch eine tolle Nachricht. Ich bekam meine offizielle Arbeitsgenehmigung. Ich halte sie soeben in den Händen! Ein kleiner, blauer Stempel mit der Unterschrift des „Immigration Officer“. Ich bin glücklich und erleichtert. Am Montag werde ich nun zum ersten Mal die Schule besuchen und meinen Arbeitsplatz, meine KollegInnen und die SchülerInnen für die nächsten 2,5 Monate kennenlernen. Ich bin gespannt, was mich erwarten wird!