SANSIBAR

 Türkis-hellblauer indischer Ozean. Weißer, samtweicher Sandstrand. Palmen, Korallenriffe, Delphine und fliegende Fische. – Die letzten Tage meines Tansania- Aufenthalts verbrachte ich auf Sansibar; der exotischen Gewürzinsel. Zum Archipel gehören auch Pemba und viele weitere kleine Inseln. Ungefähr 1 Millionen Einwohner leben auf den Inseln. 90% sind muslimischen Glaubens. Sansibar ist eine traumhaft schöne Insel; sie ist mittlerweile mindestens genauso touristisch wie schön. 

 An meinen ersten Tag auf der Insel wachte ich bei afrikanischen Freunden auf und fühlte mich zuerst ein wenig verloren. Morgens aufzustehen, keine direkte Aufgabe zu haben, an nichts denken und nichts erledigen zu müssen, daran musste ich mich gewöhnen. In Gedanken war ich noch viel in Arusha. Bei all den Menschen, die meinen Weg gekreuzt und meinen Volontariats-Einsatz so sehr geprägt und einzigartig gemacht haben.

Viele Tage in Tansania waren herausfordernd, einige davon honorierend. Es gab Dinge, die total daneben gingen während andere wunderbar funktionierten. Ich lachte so viel, ich weinte, ich war frustriert und verärgert. Ich fühlte mich frei, so viele Male in diesem Land. Ich spielte, ich tanzte und sang. Ich war mehr draußen in der Natur als jemals zuvor in meinem Leben. Ich führte Konversationen mit Menschen, die ich kaum verstand und die mich kaum verstanden. Manche Menschen erschreckten mich, genauso sehr haben andere mein Herz geöffnet. Ich dachte nicht über Mode oder Fashion nach und habe mich in dreieinhalb Monaten nicht einmal geschminkt. Ich aß die vollmundigsten Früchte und werde eine Banane im Supermarkt nicht mehr mit gleichen Augen sehen können. Drei Monate meines Lebens in denen mir viel Energie geraubt und gleichzeitig unbezahlbar viel Kraft, Mut, Leidenschaft und Lebenslust geschenkt wurde. – Ich lernte was Leben bedeutet und wie ich leben möchte.

 Denke ich heute an den Anfang meiner Reise zurück, könnte ich in schallendes Gelächter ausbrechen. Was hatte ich nicht alles für Ängste im Gepäck. Meine Medikamenten-Ausstattung spiegelt eine davon wieder. Bis auf einen leichten Schnupfen zu Beginn meines Aufenthalts, bin ich in diesen drei Monaten nicht einmal krank geworden. Mit Sicherheit war ich vorsichtig, aber ich habe auch auf nichts verzichtet. Zudem gibt es in jeder Stadt ausgebildete Mediziner und Krankenhäuser. Und was wäre aus mir geworden, wenn ich dem Rat einiger Bekannter gefolgt wäre, jeweils vor und nach einer Mahlzeit ein Glas Whiskey zu trinken?!

Es ärgerte mich ein ums andere Mal wie vielen Vorurteilen ich in meinem Kopf einen Raum gegeben hatte. Einiges wäre mir entgangen, wenn ich nicht bereit gewesen wäre diese über Bord zu werfen.

Ein weiteres Vorurteil war, Nachts nicht aus dem Haus und auf die Straße zu gehen. Genauer gesagt dann, wenn in Tansania das Leben beginnt. Die Frauen holen ihre Kohlegrille hervor und beginnen frische afrikanische Spezialitäten zuzubereiten. In den Teestuben an der Straße sitzen die Menschen nach getaner Arbeit zusammen. Es ist dunkel, der Mond scheint und die Petroleum-Lampen der Frauen leuchten den Weg. Es wird gelacht, geflirtet und gestritten. Es werde Pläne geschmiedet und Meinungen ausgetauscht. Es ist einer der schönsten und geselligsten Momente des Tages. Alle teilen diese Stimmung, wir sorgen uns um den Anderen, wir genießen das Leben gemeinsam.

Trotz allem, Tansania macht auf mich einen gespaltenen Eindruck. Ein Mix aus afrikanischen Traditionen und Standards aus dem globalen Norden. Ein Mix aus Fremden und Eigenem. Auf der einen Seite die moderne Kommunikation mit Internet und Mobiltelefon. Auf der anderen Seite Hexenglauben, Lehm- und Wellblechhütten. In den Hängen des Kilimanjaro erzählte mir eine Medizinfrau, dass die Regierung zunehmend die Zusammenarbeit von moderner und traditioneller Medizin befürwortet. Sie würde immer wieder zur Kooperation ermutigt. Diese Idee auch in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu implementieren, wäre ein Ansatzpunkt. So könnte Tansania in der Lage sein, seinen ganz eigenen Weg des Fortschritts und der Entwicklung zu gehen. 

 „Karibu Tanzania!“ – Willkommen Tansania! Willkommen habe ich mich immer gefühlt. Es ist das verinnerlichte, gelebte, gefühlte und ohne Ausnahme verbreitete Lebensgefühl in diesem Land!

 

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