KUSAFIRI!

(reisen)

Die letzten Wochen habe ich nicht nur zum Arbeiten in der Schule genutzt, ich war auch viel im Land selbst unterwegs. Häufig zieht es mich an den Wochenende in die Natur, diesmal verbrachte ich den Samstag und Sonntag in Dodoma – der offiziellen Hauptstadt des Landes seit 1973. Vor meiner Reise fragten mich viele, was ich denn dort besichtigen möchte? Das konnte ich selbst gar nicht so genau beantworten. Ich wollte die Menschen im Zentrum des Landes kennenlernen. Ich wollte den Honig und die Weintrauben von dort kosten – für beides ist die Region bekannt und beliebt.

Nachdem ich am Samstag durch die offenen und weitläufigen Straßen der Stadt gewandert bin; Märkte und das Parlamentsgebäude besichtigt hatte. Unternahm ich am Sonntag zusammen mit Freunden eine Radtour in die umliegenden Dörfer der Stadt. Wir durchfuhren sandig-felsige Landschaften und machten immer wieder Rast, um mit den Leuten in Kontakt zu treten. Getauscht wurden sympathische Grüße. – Wie war dein Morgen? Wie bist du aufgewacht? Wie verläuft die Arbeit? Am Ende wünscht man sich einen schönen Tag. Immer wieder wurden wir eingeladen eine Weile unsere Zeit mit den Dorfeinwohnern zu teilen. Einmal stärkten wir uns in einem der lokalen Straßenrestaurants mit gesüßtem „Chai tangawizi“ (Ingwertee) und frittierten „Chapati“ (Fladenbrot). Ein anderes Mal hielten wir in einer örtlichen Werkstatt, da ich mir von den weit verbreiteten Dornenbüschen einen Platten im Vorderrad zugezogen hatte. Binnen 10 Minuten war mein Rad wieder fahrbereit. Wir blieben trotzdem länger und teilten Essen und Getränke. Gemeinsam saßen wir im Schatten der Bäume oder des Geschäfts und beobachteten das Treiben auf der staubigen Straße. Die Menschen leben in Armut, in Lehmhütten mit Wellblechdächern. Auf der Straße bzw. vor der Hütte verkaufen sie das Gemüse ihres Gartens, selbstgemachte typische Snacks oder Getränke. Auf mich strahlen sie trotz aller Widrigkeiten eine bedächtige Ruhe aus. Obgleich im Alltag oder bei der Arbeit. „Polepole“ heißt das Zauberwort. Übersetzt bedeutet es: „Langsam langsam“. Mich erinnert dieser Ausdruck immer an das Sprichwort: „In der Ruhe liegt die Kraft“. Sie sind in der Lage hart zu arbeiten. Eines verlieren sie dabei jedoch nie – ihr Lachen! 

Einzig die Kinder verstecken sich zunächst schüchtern lachend wenn wir vorbei fahren. Bevor sie uns dann hinterherlaufen, um am Ende vorsichtig unsere Haut und Haare zu berühren.

In Dodoma hatte ich außerdem die Gelegenheit viele Fotos von Tansaniern und Tansanierinnen zu machen. Ganz anders als in Arusha, wo die Menschen oft nicht wünschen fotografiert zu werden, wurde ich in der Hauptstadt mehrfach gebeten meine Kamera auf einen Arbeiter oder Passanten zu richten. Auf dem Zentrumsmarkt der Stadt entstanden immer wieder spontane Gruppenfotos. 

Vor dem Julius Nyerere Denkmal (der erste Präsident Tansanias) der Stadt unterhielt ich mich mit einer Frau über meinen Tansania-Aufenthalt. Während unserer Verabschiedung berührte sie meinen Arm und sagte: Kehre in dein Land zurück und berichte deinen Freunden und Bekannten von meinem Land, erzähle, was du erlebt hast in Tansania!

Die Rückfahrt mit dem Bus verlief dann alles andere als reibungslos. Vier Pannen hielten uns auf! Allerdings wurde jede einzelne innerhalb einer halben Stunde vom Buspersonal repariert. – Im Laufe der Verzögerung ließ ich meine Gedanken schweifen und begriff, dass die Hälfte meiner Zeit in diesem unglaublichen Land, auf diesem facettenreichen Kontinent bereits vorüber war!

 

 FOTO: Dodoma Fleischmarkt „Msalato“ 

(Die Rinder und Ziegen werden in der Früh geschlachtet. Das Fleisch wird nach Bestellung scharf angebraten und mit einer Portion Salz und Pilipili Hoho (Chilisoße) serviert.)

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