WIMBO KUMUAGA MWALIMU

(Lied für den Abschied des/der Lehrer/in)

 

Der Tag des Abschiedes kam so schnell, dass ich überhaupt nicht vorbereitet war! Den Tränen nahe stand ich vor den singenden Kindern und KollegInnen.

 

Vergangenen Freitag fuhr ich zum letzten Mal mit dem Dala Dala die 20 Minuten zur Arbeit. Ich versuchte diesen Moment besonders zu genießen, aber am Ende war es doch eine ganz normale Fahrt zur Schule. Auf meinem Weg traf ich weder eines der Kinder, die täglich mit den Moped, genannt „Piki Piki“ oder „Boda Boda“ gebracht werden, noch begegnete mir eine/r der LehrerInnen. Wer es sich leisten kann lässt sein Kind von einer Assistenz begleiten oder bringt sie oder ihn selbst mit dem Auto in die Schule. Das Ticket kostete die üblichen 400tsh (umgerechnet ca. 20 / 25 cent). Sehr oft sind die Autobusse besonders phantasievoll und grell mit Stickern beklebt. Die Aufschriften werden sehr wichtig genommen und betreffen Gott, den Menschen, Gebote oder Verbote. Immer wieder findet mit den Großbuchstaben auch die Liebe zu einem bestimmten Fußballverein oder Musiker seinen Ausdruck. Das Innere des Fahrzeuges ist dann mit Girlanden  geschmückt oder in charakteristischen Farben gestaltet. Der Ausdruck „Dala Dala“ wird von dem in der Vergangenheit genutzten Ausspruch „dollar dollar“ abgeleitet. Zur englischen Kolonialzeit kostete eine Fahrt 2 Dollar. Die neueren Exemplare haben nicht selten ein Rollstuhlzeichen auf dem Heck. Als ich einen der Fahrer fragte, was das Zeichen bedeutet, konnte er mir jedoch keine Antwort geben. – Alles verlief wie viele Tage zuvor an diesem Freitag und doch so anders sobald ich in der Schule ankam und den Klassenraum betrat. 

 

In meiner letzten Woche machten wir jeden Tag Sport. Die Kinder haben gelernt zusammen zu rennen. Sie können den Ball fangen, in eine bestimmte Richtung werfen und mit den Fuß kicken.  Sobald wir Fußball spielten wurden wir umringt von anderen Kindern der Schule. Bald brauchte es auch meine Anweisungen nicht mehr; wie selbstverständlich kickten sie den Ball von Spieler/in zu Spieler/in. Wenn der Ball sein Ziel verfehlte, sprang ich assistierend ein. Das übliche Sportprogramm schrieb ich nieder, druckte es aus und ließ es in der Stadt laminieren. Jetzt hängt es an der Wand unseres Klassenraumes. 

Mara kann die Vokale a, e, i, o, u schreiben und ich habe mittlerweile das Gefühl, dass sie das Prinzip der Brailleschrift verstanden hat. Zwei weitere SchülerInnen werden im kommenden Schuljahr in den normalen Unterricht der Schule inkludiert. Wir sangen und tanzten jeden Tag nach der Frühstückspause. Unser blinder Volontär und ich übersetzten zusätzlich sämtliche Songs der Liedkassette in Braille. Ich kaufte einen Schnellhefter und schrieb die Übersetzung auf die mit der Braille-Schreibmaschine getippten Blätter. Wir besprachen außerdem die Möglichkeit eines Schulchores, den unser Volontär leiten könnte. Zumindest wurde die Idee positiv aufgenommen.

Am Dienstag meiner letzten Woche riefen wir ein Meeting mit den LehrerInnen meiner Einheit und dem Direktor ein. Bei Tee und lokalen Snacks, tauschten wir unsere gemeinsamen Erfahrungen aus und diskutierten mögliche Veränderungen und Verbesserungen.

„Wimbo kumuaga mwalimu“ ist der Titel des Liedes, welches unser Volontär für meinen Abschied geschrieben und zusammen mit den Kindern gesungen hat. Ich war die Einzige die weinte. Aber das ist nicht weiter verwunderlich. Tansanier weinen sehr selten und am Ende war es für alle eine glückliche Zeit. Von meinen Kolleginnen bekam ich einen blauen Kanga geschenkt und die getippte Version des vorgetragenen Liedes. Es war ein sehr emotionaler Abschied und bis heute fällt es mir schwer zu begreifen, dass die drei Monate meines Volontariats in Tansania bereits vorbei sind.

 

Während meines Aufenthalts in Arusha habe ich mich neben der Schule immer wieder mit der Beauftragten der „Special Needs Education“ vom ortsansässigen Bildungsministerium getroffen. Sie ist ausgebildete Pädagogin für gehörlose Menschen. Wir sprachen über meine Erlebnisse und Eindrücke, über die Situation für behinderte Menschen in Tansania, über Visionen und Ideen. Gemeinsam besuchten wir verschiedene inklusive Grundschulen für gehörlose, körperlich und intellektuell behinderte Kinder in Arusha. Oft führte sie neues Equipment aus internationaler Förderung mit sich. Für gewöhnlich ist das Stellen eines Antrages an Organisationen, die einzige Möglichkeit um an benötigtes Material zu kommen. Mit Glück werden diese Anträge berücksichtigt und genehmigt. Meine Schule erhielt im vergangenen Monat eine zusätzliche Braille-Schreibmaschine von Vision Fund. Die Ministerin berichtete außerdem von ihrem Traum eine internationale Nicht-Regierungs-Organisation für die Rechte behinderter Menschen zu gründen. Um dieser Vision stückweise näher zu kommen, bat sie mich um Rat und Unterstützung. Gemeinsam versuchten wir ein Konzept für den Aufbau ihrer NGO zu erstellen. Sie ist sehr leidenschaftlich wenn es um die Förderung behinderter Menschen geht. Sie hat viele Kontakte und konnte bereits einige UnterstützerInnen aus Vereinen, Regierung, Schulen und Kirchen mobilisieren. Ich bin gespannt, wie ihr weiterer Weg aussehen wird.

 

FOTO: Abschied

 

 

 

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