Mit Spannung startete ich also in die erste Woche. Gleich am Montag lernte ich die Verantwortliche der „Special Needs Education“ und den Leiter des „Department of Education“ von Arusha kennen. In unserem kurzen Gespräch, habe ich erfahren, dass ich erst mit der Arbeit beginnen kann, wenn ich im „Department for Immigration“ eine Arbeitserlaubnis beantragt habe und diese auch in meinem Reisepass vermerkt ist. Dieser Prozess kann sich von ein paar Tagen bis zu einer Woche hinziehen. Mein Vorschlag bis zur offiziellen Ausstellung dem Unterricht als Zuschauerin beizuwohnen, wurde abgelehnt. So wurde meine Euphorie jäh gebremst und mir blieb nichts anderes übrig als mich den Anweisungen zu beugen. 

 

Ich nutzte die freie Zeit um mich näher mit meiner neuen Heimat bekannt zu machen. Durch lange Spaziergänge versuchte ich ein Gefühl für die Stadt zu bekommen, vor allem da ich mich in den vergangenen Tagen bereits mehrere Male verlaufen hatte. Auch mit dem hier gängig genutzten Kleinbus, genannt Dala Dala, kam ich schon ein, zwei Mal ganz woanders an, als ich eigentlich geplant hatte 🙂 Bei meinen Erkundungen fiel mir auf, dass das Leben der Tansanier zum großen Teil auf der Straße stattfindet. Jeder ist ständig mit jedem in Interaktion und auch behinderte Menschen gehören dazu. Außerdem versuchte ich meine Kisuaheli-Sprachkenntnisse zu verbessern, um mit den Menschen auch in direkten Kontakt treten zu können. Zwei der ersten Vokabeln, die ich mir einprägte, waren die Bezeichnungen für Menschen mit Behinderungen:

kiwete (EZ), viwete (MZ) – Menschen mit Behinderung

kipofu (EZ), vipofu (MZ) – blinde Menschen

Dadurch, dass das Suhaeli alle Nomen in verschieden Klassen gruppiert, beispielsweise gibt es eine Klasse für Bäume und Pflanzen, eine für Tiere und so weiter, hat es zumindest sprachwissenschaftlich den Anschein, dass Menschen mit Behinderungen in die Nominalklasse der Dinge und Gegenstände gezählt werden. Und nicht etwa in die Gruppe der Personen. Was mir anfangs ein wenig verrückt vorkam. Dann fand ich heraus, dass es sich mit der Übersetzung für das Wort Jugendliche/r:„kijana (EZ), vijana (MZ)“ genauso verhält. 

Auf den ersten Blick hat es für mich den Anschein, als wenn sich Menschen mit Behinderungen ganz selbstverständlich ins Stadtbild und Stadtleben einfügen.

 

Der anfänglichen Enttäuschung über den verschobenen Arbeitsstart, folgte über die Woche verteilt Entspannung und Erleichterung, da ich die freie Zeit gut genutzt hatte, um mich langsam und in meinem Tempo an die veränderten Lebensumstände zu gewöhnen.

Nach den Erlebnissen der letzten Woche, fühle ich mich im Land angekommen.

 

 

FOTO: Arusha City mit dem Clocktower ganz rechts.