Richtigstellungen der Aussagen von Prof. Hengstschläger im Report und der Presse

 

1. „das strengste Gesetz Europas“ 

Stimmt nicht. In Deutschland gibt es beispielsweise keine Eizellspende und es darf nicht einfach nach drei fehlgeschlagenen medizinisch unterstützten Fortpflanzungen eine PID gemacht werden!!! Denn damit sind wir beim Screening.

 

2. „slippery slope gab es in keinem europäischen Land“ 

Stimmt nicht. Die Erweiterung der PID in verschiedenen Stufen beschrieb auch der Deutsche Ethikrat :

PID-Ausweitung auf:

1. Behandelbare Krankheiten (England)

2. Krankheitsveranlagungen (England)

3. „Retterkinder“  (da werden auch unauffällige Embryonen aussortiert, eben weil sie passen) Frankreich

4. Sex-Selektion (wird in Privatkliniken in ganz Europa angeboten, s. Rainsbury Klinik)

 

Hier aus der Ethikrat-Stellungnahme

„In verschiedenen Staaten ist die bei der Einführung der Methode formulierte Indikation „schwere, nicht behandelbare Erbkrankheit“ längst durchlässig geworden. So wird die PID beispielsweise in Großbritannien heute auch eingesetzt, um Embryonen mit Veranlagungen für behandelbare Krankheiten wie die Phenylketonurie zu identifizieren und vom Transfer auszuschließen.

Die nächste Stufe der Ausweitung ist erreicht, wenn es nicht mehr um mit Sicherheit auftretende Krankheiten geht, sondern um Krankheitsdispositionen, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit sich entwickelt, deutlich unter 100 % liegt. Zu nennen ist hier beispielsweise eine erbliche Disposition für die Entwicklung von Brustkrebs, die unter anderem in England eine Indikation für die PID darstellt. Aufgrund der reduzierten Penetranz der betreffenden genetischen Veränderungen entwickeln jedoch bis zu 40% der Anlageträger die befürchtete Krankheit nicht.

Bei den anderen lässt sich nicht vorhersagen, wann die Krankheit ausbricht. Ein qualitativ noch weiter gehender Schritt ist dann getan, wenn es nicht nur darum geht, ob der zukünftige Mensch von einer Krankheit bedroht ist oder nicht, sondern die Nützlichkeit des Embryos für Dritte zum Zusatz- oder alleinigen Kriterium seiner Auswahl wird. Die Erzeugung sogenannter „Helferbabys“ (oder „Rettungsgeschwister“), deren Gewebe mit dem eines beispielsweise an Leukämie erkrankten Geschwisterkindes kompatibel ist und deren Nabelschnurblutstammzellen (und später eventuell auch Knochenmarkszellen) als Transplantat für das Geschwisterkind dienen sollen, wurde einige Jahre nach Zulassung der PID sowohl in England, Frankreich, Schweden und Belgien erlaubt. Französische Ärzte konstatieren explizit, dass es sich dabei um eine Ausweitung handelt, die ursprünglich im französischen Bioethikgesetz nicht vorgesehen war.

In einer weiteren Stufe würde auch das Kriterium der Hilfe für andere nicht mehr zum Tragen kommen. Hier ginge es nur noch um die Auswahl von Embryonen mit erwünschten Eigenschaften. Realisiert wird dies heute schon bei der Auswahl von Embryonen mit einem bestimmten Geschlecht aus sozialen Gründen, dem sogenannten social sexing  Oder family balancing. In den Berichten der European Society of Human

Reproduction and Embryology (ESHRE) zur Präimplantationsdiagnostik findet sich eine stetig wachsende Zahl solcher Fälle; der letzte ESHRE-Bericht verzeichnet 92 Paare, die zu diesem Zweck eine PID vornehmen ließen. (Zahl bezieht sich auf 2007, ist sicher nicht weniger geworden)

Wenn die grundsätzliche Entscheidung für die Etablierung der PID erst einmal gefallen ist, wird es schwierig sein, legitime von nicht legitimen Zielen der Untersuchung zu unterscheiden und Grenzen aufrechtzuerhalten.

Eine Geschlechtsselektion ist in Europa in verschiedenen Staaten verboten, wird in anderen jedoch von privaten Kliniken angeboten

 

3. „kein Unterschied zwischen biologischer und sozialer Elternschaft“

Das widerlegen die Kinder selbst: Sie sehen den Spender als Teil von sich selbst und nicht als ihren Eltern zugeordnet. Das heißt sie betrachten den Samenspender als ihren biologischen Vater. Eltern sind die sozialen Eltern – der Spender ist der biologische Vater.

Es ist ebenso aus der Adoptionsforschung bekannt, dass Kinder ihre sozialen Eltern lieben, aber in der Regel nach ihren biologischen Eltern suchen. Kinder brauchen das gesamte Wissen um ihre Herkunft und das Kenntnisrecht wird auch in der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützt (Artikel 8). Kinder unterscheiden sehr wohl!

 

4. „es darf nicht nach Geschlecht untersucht werden“

Jetzt noch nicht, aber Dr. Feichtinger hat schon vor 2 Jahren gesagt, dass er das auch will.

 

5. „PID ist besser als Fetozid“ 

Warum bleibt sie dann weiterhin erlaubt?

 

6. „Leihmutterschaft kommt nicht“

Ist nur eine Frage der Zeit („slippery slope“). Beispielsweise kann dann ein homosexuelles Paar klagen, warum es nicht wie ein lesbisches Paar den Kinderwunsch erfüllt bekommen kann.

… wenn bei der Eizellspende keine Skrupel bestehen, sich des Körpers einer anderen Frau zu bedienen, wird bald auch niemand mehr einsehen, warum eine Frau aus altruistischen Gründen nicht auch Leihmutter sein darf („Wenn sie informiert wird und das will, warum denn nicht?“)

 

Leave a Comment