Eigentlich mag ich mein Beatmungsgerät, wir gehören zusammen. Doch ab und zu ärgert es mich, da es Dinge verrät, die man unter Freunden nicht ausplaudert. Das Beatmungsgerät ist mein zweites Ego. Wenn ich nervös bin piepst und pfeift es. Damit trage ich meine Emotionen und Gefühle weithin hörbar mit mir herum. Besonders peinlich ist das bei wichtigen Gesprächen, wo mein Blutdruck doch etwas steigt oder bei Reden im Parlament, wo es für mich darum geht lauter zu sprechen als mein Gerät piepst.

Wenn Sie also wissen wollen, was ich wirklich empfinde, wird Ihnen das nicht verborgen bleiben. Jetzt haben Sie gegenüber anderen Menschen einen Wissensvorsprung. Denn oft glaubt mein Gegenüber, angesichts des schrill alarmierenden Beatmungsgerätes, dass ich in einer Notsituation bin und gleich wegsterbe. 



Lebt er noch oder hat er noch was zu sagen?



 Stimme ist wahrlich Stimmung. Wenn ich nervös bin, etwa bei wichtigen Reden, will ich etwas sagen aber mir versagt es Luft und damit auch die Stimme. Das Zusammenspiel zwischen mir und dem Beatmungsgerät ist sehr sensibel. Wenn ich aufgeregt bin, gibt auch mein Beatmungsgerät unregelmäßiger Luft.

In der Realität sieht das dann so aus: Die Assistentin hält mir das Mikrofon vor den Mund, ich öffne ihn aber heraus kommt nichts. Die Leute warten angespannt. Ich presse ein paar undeutliche Worte heraus, die niemand recht versteht und dann wieder das große Schweigen. Die Leute fragen sich geheim: „Will er noch etwas sagen oder stirbt er jetzt gleich weg?“.

Wenn sich die erste Aufregung legt, kann ich auch mit der Zeit immer deutlicher und flüssiger reden. Es braucht nur ausreichend Geduld bei meinen ZuhörerInnen und auch bei mir. Das ist auch für mich nicht immer ganz einfach. Aber der Effekt ist nicht schlecht: Die Inszenierung ist oft so dramatisch, dass viel Gewicht in meine Worte gelegt wird – es könnten ja auch meine letzten Worte gewesen sein und am Ende gibt es oft Applaus.

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