Es sind oft peinliche Begegnungen, wenn Kinder auf der Straße auf mich zeigen, Fragen stellen und die Erwachsenen sagen: “ Sei leise! Das darf man nicht fragen! Schau weg!“. Hier lernen Kinder das erste Mal, dass behinderte Menschen anders sind, das man nicht normal mit ihnen umgehen kann, dass sie eine Sonderbehandlung brauchen. Ich war oft in Schulklassen um mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Ein paar dieser Dialoge findet Ihr unterstehend. Eines vorweg: Ich habe Kinder immer dazu ermutigt, offen ihre Fragen zu stellen.

Es gibt nichts cooleres, als im Rollstuhl bergab zu fahren. Ein Bub meinte darauf einmal in einer Schulklasse: “ Zu Weihnachten wünsche ich mir auch einen Rollstuhl!“.

Heute war ein Mann mit einem Rollstuhl bei uns. Er tat mir sehr leid. Er hatte eine Brille und hieß Franz.

Lehrerin: Paßt gut auf. Das ist heute ganz etwas Besonderes, was uns dieser Herr erzählen wird.

 Kind: Frau Lehrerin, der ist ja wirklich behindert. Ich dachte, das ist nur ein Spaß.

 Lehrerin: Nein,das ist kein Spaß, das ist ganz ernst.

Lehrer: Wir haben uns heuer schon oft hier eingefunden, aber immer zu lustigen Anlässen. Diesmal ist es ein trauriger und ernster Anlaß.

 Franz: Hallo, ich bin Franz. Ihr werdet schon öfters von mir gehört haben, ich bin nämlich der Ernst des Lebens.

Ist es schlimm, behindert zu sein?



 Meine Oma hat gesagt, wenn jemand behindert ist, kann er keine Frau bekommen. Deshalb ist es wichtig, in der Jugend aufzupassen. Oma hat gesagt, daß ich aufpassen muß, nicht behindert zu werden, sonst bekomme ich nie eine Frau.

Franz: Glaubst Du, ist es schlimm, behindert zu sein?

 Kind 1: Es gibt Schlimmeres. Aber ich würde damit nicht fertig werden.

Kind 2: Das ist nicht schlimm. Dafür kannst Du etwas anderes besser.

 Franz: Was glaubst Du, kann ich besser als Du?

 Kind 2: Hören.

Kind: Wie kommst du über die Stiege herauf? 

Franz: Mit dem Schullift.

 Kind: Ach so.

 Franz: Der Schullift heißt Herbert und wird von euch Schulwart genannt.

Kind: Wie fühlst du dich, wenn du Menschen mit Irokesenschnitt, Lederjacken und Totenköpfen triffst?

 Franz: Äh.

Kind: Wie schläfst du im Rollstuhl? 

Franz: Das mache ich nur, wenn ich besoffen bin. Aber das bin ich so gut wie nie.

Kind: Betreiben Sie Sport?

 Franz: Ja. Ich stehe jeden Tag in der Früh auf und ziehe mich alleine an.

Kind: Was ißt du am liebsten?

Franz: Spaghetti.

 Kind: Ich auch.

Kind 1: Ich habe eine Cousine, die ist geistig behindert. 

Kind 2: Ich habe auch eine Freundin, die behindert ist. Sie ist im Kopf durchgeschüttelt. 

Kind 1: Sie ist halt zurückgeblieben und kann nicht so denken wie normale Kinder. 

Franz: Wie denkt man denn normal?

 Kind 1: Richtig eben.

Kind: Es gibt geistig Gestörte. Das ist aber kein schönes Wort. Da kann man besser sagen „geistlich behindert“. Weil gestört ist ein Schimpfwort.

Zum Abschied sagten die Kinder oft: Ich wünsche Ihnen eine gute Besserung.

Brief: Ich bin das Mädchen in der 5. Reihe mit dem kurzen Leiberl. Die Lesung hat mir sehr gefallen. Möchtest Du mein Freund werden. Kreuze bitte an Ja/Nein. Schreib bald zurück.

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