Ich will leben.


Ich will zu meiner Familie nach Hause.


Ich will euch nie wieder sehen müssen.





Ich gehe nicht freiwillig ins Krankenhaus, nur wenn es wirklich sein muss. Und im Herbst 2006 war es wirklich notwendig. Seit Kindheit an sind meine Beine gelähmt, schleichend stieg meine Lähmung nach oben. Ich atmete sehr oberflächlich, war ständig müde und energielos. Heute klingt es lustig, aber das kam so schleichend, dass ich nicht die Ursache bemerkte. Täglich musste ich ein Mittagsschläfchen einlegen, um den ganzen Tag zu überstehen. Auch im Parlament hatte ich im Büro eine Couch, wo ich mich zwischen den langen Sitzungen kurz ausruhte. Meine Stimme wurde immer leiser, schwächer und unverständlicher. Zu meinem 40. Geburtstag im Juni 2006, konnte ich nicht einmal mehr eine Ansprache halten, wie ich es eigentlich geplant hatte. 



Im September 2006 war ich so erschöpft, dass ich mich gleich nach dem Frühstück wieder hinlegen musste. Da war es wohl wirklich Zeit, um ins Krankenhaus zu gehen. Die Ärzte nahmen mir Blut ab und waren entsetzt. Ich hatte eine CO2 Vergiftung, da ich nicht richtig ausatmen konnte.



Ein Arzt nahm meine Frau zur Seite und meinte: „Will Ihr Mann überhaupt noch leben?“. Judit war über die Frage erstaunt und schockiert. Aber sie sah auch, dass die Ärzte mich nicht kannten, nicht meinen Lebenswillen und meine Lebensstärke. Die Ärzte sahen einen Patienten, der weder Arme noch Beine bewegen kann, der zu schwach zum Sprechen ist und nur mehr schwach atmen kann. Aus dieser ärztlichen Sicht war es verständlich, dass sie eine Patientenverfügung anregten.



 Bei dem Gespräch zur Patientenverfügung waren Judit, die Oberärztin und ein Vertrauensarzt von mir anwesend. Ich konnte nicht laut und verständlich sprechen und flüsterte meine Worte in Judit’s Ohr, die mein Sprachrohr war. Es waren drei Wünsche: ich wollte leben, ich wollte zurück zu meiner Familie und wenn möglich wieder arbeiten können. Dazu sollten die Ärzte alle Möglichkeiten ausschöpfen. Was sie auch taten. Einen Tag später verlor ich das Bewusstsein und wachte erst drei Wochen später mit unterstützter Beatmung auf.



 Das oben stehende Gedicht schrieb ich noch im Otto-Wagner-Spital.