Freaks around the world

 Freaks sind oft ein wenig verrückt, stellen die Norm in Frage und geben durch ihr Leben Anderen so manches Rätsel auf. Welche Freaks leben in anderen Ländern? Wie gestalten sie ihr Leben und was haben sie für Geschichten zu erzählen? Unser Freak, Franz-Joseph Huainigg rumpelt mit seinem Elektrorollstuhl und dem piepsenden Beatmungsgerät durch die Welt, um andere Freaks zu treffen und ihre Lebenssituation zu portraitieren. Hierbei entstehen tolle Geschichten, Fotos und Videos, die er gerne mit Euch teilen möchte: So let’s get freaky!

Ich habe mein Augenlicht verloren, aber nicht meine Vision

Der blinde Spitzensportler und Olympiasieger Henry Wanyoike im Gespräch mit Franz-Joseph Huainigg über die Schnelligkeit von Assistenten, das Wirken von Hilfsorganisationen und die Politik.

Sie wurden berühmt, als Sie bei den Paralympics 2000 schneller als ihr Assistent liefen und ihn an der Verbindungsschnur mit ins Ziel zogen. Ist es schwierig Assistenten zu finden, die schnell genug sind?

Ja, ich bin mit meinem Assistenten immer mit einer Schnur verbunden, nur so weiß ich wohin ich laufen muss. John hatte Schwierigkeiten, aber Joseph ist ein speedy Assistent. Durch Joseph bin ich wieder neu motiviert Rekorde zu brechen, was bei den Paralympics 2012 leider nicht gelungen ist. Aber es wird neue Wettkämpfe geben und ich trainiere hart dafür.

Sie sind oft in der Welt unterwegs. Wie ist es, wenn man in neue Gebiete kommt? Ist man da immer auf Assistenz angewiesen?

Ich habe schon einen Blindenstock, aber er liegt meistens in meinem Hotelzimmer, so auch heute. Zuhause in Kenia kann ich mich ohne Hilfe fortbewegen. Fremde Städte erforsche ich, mit der Unterstützung von Assistenten.

Ihr Motto lautet „ Ich habe mein Augenlicht verloren, aber nicht meine Vision“. Wie hat Ihnen „Licht für die Welt“ geholfen und wie arbeiten Sie jetzt zusammen?

Sport war für mich der Schlüssel zum Erfolg. Ohne die Unterstützung von „Licht für die Welt“ wäre das nicht möglich gewesen. Besonders in Afrika ist es schwierig ausreichend Sponsorengelder für den Behindertensport zu bekommen. „Licht für die Welt“ unterstützt mich jetzt bei der Umsetzung von sozialen Projekten, beispielsweise ist es gelungen eine Schule zu errichten.

Kenia hat die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung unterschrieben. Was sind die Auswirkungen?

Seit der Ratifizierung ist in Kenia für behinderte Menschen einiges in Bewegung gekommen. Jetzt haben wir sogar 47 behinderte Menschen als Selbstvertreter im Parlament. Jedes Bundesland hat zumindest einen Betroffenen Vertreter. Früher konnte man niemanden mit einer Behinderung ins Parlament wählen. Behinderte Menschen wurden eher in den Dörfern versteckt, jetzt sind sie immer mehr sichtbare Bürger. Unser Vorbild ist Europa, da ist die Barrierefreiheit fortschrittlicher. Als Rollstuhlfahrer kommt man in Kenia nicht einmal in Gebäude rein oder in die Schule. Aber jedes Kind hat ein Recht auf Bildung.

Wollen Sie nach der Sportkarriere nicht selbst Politiker werden und die Wandlung mitgestalten?

Sport ist auch Politik. Durch die Paralympics hat sich viel im Gesellschaftsbild verändert. Vom Ministerium für Jugend und Sport wurde ich schon öfter zur Mitarbeit eingeladen, was ich aber bisher abgelehnt habe. Aber bei der nächsten Wahl werde ich das vielleicht machen. Jetzt konzentriere ich mich auf den Sport und bereite mich auf den nächsten Weltrekord vor.

Wer ist Henry Wanyoike?

Henry Wanyoike wurde 1974 in Kenia geboren. Mit 21 Jahren erblindete er durch einen Schlaganfall über Nacht. Sein neues Leben widmet er dem Sport und erlangte 2000 paralympisches Gold in Sydney über 5.000 Meter, was ihn berühmt machte. Er überrundete seinen Konkurrenten zweimal und sein Begleitläufer konnte das Tempo kaum mithalten. Im Anschluss musste er tagelange Tests über sich ergehen lassen, weil man aufgrund seiner sensationellen Zeit gar nicht glauben konnte, dass er blind ist. Der Armut in seinem Land wirkt er durch soziale Projekte entgegen. Vor kurzem besuchte Henry Wanyoike  auf Einladung von „Licht für die Welt“ die Stadt Wien und nahm am Vienna Night Run teil.

 

Diese Serie wird von der Zeitung  BehinderteMenschen veröffentlicht.

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